Aktien Frankfurt: China- und Gassorgen belasten - Dax dämmt Verluste aber ein

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der jüngsten Erholung hat der Dax <DE0008469008> am Montag einen Dämpfer erhalten. Sorgen wegen China und eines drohenden dauerhaften Gasstopps aus Russland ließen den deutschen Leitindex zunächst um knapp zwei Prozent absacken. Zuletzt dämmte er bei 12 910,44 Punkten sein Minus aber auf 0,81 Prozent ein.

Damit endete gleichwohl der kräftige Aufwärtsimpuls seit dem vergangenen Dienstag, als er den tiefsten Stand seit November 2020 erreicht hatte, wie Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets erklärte. Eine Bodenbildung auf diesem Niveau sei nur möglich, wenn das neue Tief in den kommenden Tagen verteidigt werde und der Index nachhaltig über die 13 000er Marke steigen könne. Doch dafür dürfte wieder die Kraft fehlen, befürchtet der Experte.

Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Unternehmen gab am Montagmittag um 0,71 Prozent auf 26 112,97 Punkte nach. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> ging es um 0,64 Prozent auf 3484,18 Zähler nach unten.

Gegenwind kam von den schwachen chinesischen Börsen sowie den verhaltenen US-Futures. Das Risiko weiterer Corona-Beschränkungen in China verschärfe wieder die Sorgen über die globalen Wirtschaftsaussichten, hieß es am Markt. Die Zahl der Neuinfektionen erreichte dort den Angaben zufolge den höchsten Stand seit Ende Mai.

Zudem fließt vorerst kein russisches Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1 nach Europa. Plangemäß beginnen etwa zehntägige Wartungsarbeiten, und es herrscht die Sorge, dass der Fluss danach gekappt bleiben könnte. Russland hatte Mitte Juni die Lieferungen deutlich reduziert und dies mit einer sanktionsbedingt fehlenden Turbine begründet. Nach einer Entscheidung der kanadischen Regierung soll diese nun nach Deutschland geliefert werden.

Aktien der konjunktursensiblen Gas-Großverbraucher aus der Chemie-, Industrie-, Auto- und Stahlbranche zählten zu den größten Verlierern. Im Dax belegten Daimler Truck <DE000DTR0CK8>, Covestro <DE0006062144>, BASF <DE000BASF111>, Siemens <DE0007236101> und Mercedes Benz <DE0007100000> mit Kursabschlägen von 1,8 bis 4 Prozent die hinteren Plätze. Bei Siemens belastete zudem eine Abstufung durch das US-Analysehaus Bernstein Research.

Im MDax verbilligten sich Thyssenkrupp <DE0007500001> und im Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386> Salzgitter <DE0006202005> um jeweils rund zwei Prozent. Außerhalb der wichtigen Indizes verloren ElringKlinger <DE0007856023> ähnlich deutlich, nachdem der Autozulieferer im Rahmen vorläufiger Quartalszahlen über eine Abschreibung von mehr als 86 Millionen Euro berichtet hatte.

Bei Airbus <NL0000235190> stand nach Anfangsverslusten ein Plus von über einem Prozent zu Buche. Der weltgrößte Flugzeughersteller steigerte im Juni seine Auslieferungen gegenüber dem Vormonat deutlich. Für sein Jahresziel von rund 720 auszuliefernden Flugzeugen muss sich der Boeing <US0970231058>-Konkurrent zwar weiter ranhalten: Nach den ersten sechs Monaten sind davon erst 297 geschafft. Allerdings ziehen die Auslieferungszahlen bei dem Hersteller üblicherweise gegen Jahresende deutlich an.

Schwächster MDax-Wert war nach der jüngsten Stabilisierung Uniper <DE000UNSE018> mit einem Minus von knapp neun Prozent. Nach dem Antrag des strauchelnden Gasversorgers auf staatliche Unterstützung ist weiter unklar, wie diese genau aussehen wird. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will bei der Rettung des Unternehmens auch die Eigentümer in die Pflicht nehmen. "Es gehört ja jemandem, auch jemandem, der solvent ist und der stützen kann", sagte der Grünen-Politiker dem Deutschlandfunk. Uniper-Hauptaktionär ist der finnische Energieversorger Fortum <FI0009007132>, der rund 80 Prozent des Grundkapitals hält und der wiederum zu etwas mehr als 50 Prozent dem finnischen Staat gehört. Er stellt sich gegen weitere Hilfen für die Tochter. Die Fortum-Aktien sanken um gut drei Prozent.

Bei Nordex <DE000A0D6554> konnten sich die Anleger nach Anfangsverlusten über ein Kursplus von vier Prozent freuen, obwohl sich der Windkraftanlagenbauer erneut frisches Geld besorgt. Dieses Mal sollen durch eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten brutto 212 Millionen Euro in die Kasse fließen. Mit der Maßnahme will das Unternehmen, das mit hohen Verlusten ins Jahr gestartet ist, die Kapitalstruktur durch Erhöhung der Eigenkapitalquote im zurzeit volatilen Marktumfeld stärken.

Erste Expertenstimmen rangierten zwischen Vorsicht und Gelassenheit: Ein Börsianer sagte, die zweite Maßnahme binnen weniger Tage lasse "die Alarmglocken" läuten. Analyst Constantin Hesse von Jefferies Research sieht es hingegen weniger dramatisch: Die Maßnahme stimme zwar weniger zuversichtlich mit Blick auf die Jahresziele, in der Windkraft-Branche seien ausreichende Barmittel aber besonders wichtig.

Ein Kursminus von anderthalb Prozent verzeichnete indes Indexnachbar Flatexdegiro <DE000FTG1111>, nachdem die US-Bank Morgan Stanley die Beobachtung des Online-Brokers mit dem Votum "Underweight" aufgenommen hatte. Analyst Panos Ellinas sieht in der enorm hohen Abhängigkeit des Onlinebrokers von volatilen Transaktionsumsätzen ein zweischneidiges Schwert./gl/jha/

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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