Aktien Frankfurt: Börse schüttelt Bundestagswahl rasch ab

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Entspannt hat der deutsche Aktienmarkt am Montag auf die hohen Verluste der Großen Koalition und den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl reagiert. Der Dax drehte nach anfänglichen Verlusten sogar wieder ins Plus und handelte am Nachmittag 0,22 Prozent höher auf 12 620,30 Punkte.

Unabhängig von der Zusammensetzung der neuen Regierungskoalition werden mit Angela Merkel (CDU) und Wolfgang Schäuble (CDU) "auf jeden Fall zwei erfahrene Hauptakteure aus der Eurokrise auch der neuen Regierung angehören", wie Thomas Altmann von QC Partners zum Wahlausgang anmerkte. Diese Konstanz sollte die europäischen Partner ein Stück weit beruhigen, schrieb der Portfoliomanager in einem Kommentar zur Wahl.

ERFOLG DER AFD KÖNNTE MITTELFRISTIG BELASTEN

Etwas vorsichtiger zeigte sich Paut Hatfield von der Bank of New York Mellon. Der Chefinvestor machte sich Sorgen um den hohen Stimmenanteil der AfD, dieser habe für "Bestürzung" gesorgt. Kurzfristig dürfte das die Märkte zwar nicht belasten; längerfristig könne sich der Erfolg der Rechtspopulisten jedoch negativ auf die Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich auswirken - möglicherweise zum Nachteil von Europas Aktienmärkten, die nach dem Wahlsieg Emmanuel Macrons auf die Stärke eben dieser Achse gesetzt hätten.

Auch der im September zum zweiten Mal in Folge gesunkene ifo-Geschäftsklimaindex belastete die Börsen nicht. Der MDax , in dem die Aktien mittelgroßer Konzerne vertreten sind, stieg um 0,13 Prozent auf 25 651,96 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax legte um 0,52 Prozent auf 2413,28 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 handelte 0,05 Prozent höher auf 3543,30 Punkte.

VERSORGER DROHEN ZUM WAHLVERLIERER ZU WERDEN

Als mögliche Verlierer der Wahl werten Experten die Versorger RWE und Eon . Die Grünen würden sich in den Koalitionsverhandlungen auf die Themen Umwelt und Energie konzentrieren und seien in einer starken Position, argumentierten die Analysten der Investmentbank Kepler Cheuvreux. Bei Braunkohle und Atomausstieg drohe somit neuer Gegenwind. RWE fielen um mehr als 4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Mitte August. In ihrem Sog gaben auch Eon und Uniper etwas nach. Profiteure könnten dagegen die Produzenten alternativer Energien sein. Die Papiere des Herstellers von Windkraftanlagen Nordex stiegen um 4,3 Prozent.

Nach der Wahl sind auch die Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank gefallen. Eine "Jamaika"-Koalition und das starke Abschneiden der AfD könnten die von Deutschland und Frankreich angestrebte europäische Integration und auch die Brexit-Verhandlungen erschweren, merkten Beobachter an. Beides wäre tendenziell belastend für die Banken. So habe die FDP vor der Wahl einige der von Macron vorgeschlagenen Vertiefungen der Währungsintegration strikt abgelehnt.

LUFTHANSA AUF HÖCHSTEM NIVEAU SEIT 16 JAHREN

Bayer-Aktien verteuerten sich um 1,5 Prozent. Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas hat die Papiere von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft und dies mit positiven Auswirkungen der angestrebten Übernahme des US-Konzerns Monsanto begründet.

Lufthansa -Aktien stiegen mit einem Plus von 1,6 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als 16 Jahren. Am Nachmittag informiert Air Berlin über den Zwischenstand im Bieterverfahren. Bei den Verhandlungen über die Aufteilung der insolventen Fluggesellschaft soll dem Vernehmen nach der größte Teil an die Lufthansa gehen. Die Analysten von Bernstein sprachen zudem von Wachstumschancen in China für die Lufthansa.

EURO FÄLLT UNTER 1,19 US-DOLLAR

Bei den Nebenwerten stiegen Aktien von Wacker Chemie um 1,8 Prozent. Die Investmentbanken JP Morgan und Berenberg äußerten sich positiv zu der Gesellschaft. Die Berenberg Bank hob das Papier von "Hold" auf "Buy". Wacker Chemie könne von einer steigenden Nachfrage nach auf Silizium basierenden Batterien profitieren, schrieb der Analyst Sebastian Bray.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von 0,25 Prozent am Freitag auf 0,20 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,21 Prozent auf 141,36 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,22 Prozent auf 161,52 Punkte zu.

Der Euro fiel am Vormittag wieder unter die Marke von 1,19 US-Dollar und wurde zuletzt bei 1,1869 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag noch auf 1,1961 Dollar festgesetzt./bek/jha/

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---