Aktien Frankfurt Ausblick: Zurückhaltung am Ende eines stürmischen Börsenjahres

·Lesedauer: 3 Min.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am letzten Handelstag des turbulenten Börsenjahres 2020 lassen es die Anleger ruhig angehen. Der Dax <DE0008469008> dürfte am Mittwoch wenig bewegt in den verkürzten Handel starten, nachdem er am Vortag nach einem Rekord ein wenig geschwächelt hatte. Viele Investoren haben ihre Bücher für das Jahr schon geschlossen. Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte rund eine Dreiviertelstunde vor dem Start ein Minus von 0,1 Prozent auf 13 748 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> wird 0,17 Prozent tiefer erwartet.

Der Dax ist seit Jahresbeginn gerechnet bereits um fast vier Prozent gestiegen. Die Indizes der zweiten Börsenreihe aber haben sich in diesem Zeitraum besser geschlagen: Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Werte verzeichnet ein Plus von rund 9 Prozent und bei dem Nebenwerteindex SDax <DE0009653386> steht gar ein Gewinn von gut 18 Prozent zu Buche.

Am Vortag durfte der Dax schon in Richtung der 14 000 Punkte schielen, dann aber bekamen die Anleger kalte Füße. Mit einem Rekord von 13 903 Punkten sind sie für das neue Börsenjahr eine schwere Hypothek eingegangen, da eine erhoffte Erholung von der Viruskrise schon vorweg genommen wird. "Dreh- und Angelpunkt bleibt die grassierende Coronavirus-Pandemie dies- und jenseits des Atlantiks", sagte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.

2020 war der Begriff "Corona-Pandemie" auch an der Börse das Wort des Jahres, denn der Corona-Crash von Ende Februar bis Mitte März hat schon jetzt einen festen Platz in der Historie des Leitindex. Das böse Erwachen kam ausgerechnet am Rosenmontag, den 24. Februar. Statt ausgelassener Karnevalsfreude herrschte an der Börse auf einmal Alarmstimmung: Die rasche Ausbreitung des Virus in Ländern außerhalb Chinas riss den Dax in die Tiefe. Die steile Talfahrt endete erst gut drei Wochen später, am 16. März, bei 8255 Punkten. Ebenfalls im März wurde wahr, was die Anleger bereits vorausgeahnt hatten: Auch Deutschland ging in den Lockdown, Geschäfte wurden geschlossen und hunderttausende Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Erst massive Geldspritzen der Notenbanken und Regierungen für die unter Lockdowns darbende Wirtschaft brachten die außergewöhnlich schnelle Wende. Mit dem Ende der meisten Einschränkungen im Sommer ging es wirtschaftlich vielerorts wieder bergauf. Als Zugpferd galt dabei vor allem die Erholung in China, also in dem Land, wo das Virus mit den sechs Buchstaben zuerst aufgetaucht war. Den Sprung auf ein Rekordhoch schaffte der Dax dann am Montag nach Weihnachten dank des Brexit-Deals und des US-Konjunkturpakets. Zudem wird der deutsche Leitindex seit längerem von der Hoffnung auf Impfstoffe gegen das Corona-Virus gestützt. Mittlerweile haben die Impfungen ja in vielen Ländern begonnen.

Im Dax hat sich in diesem Umfeld Delivery Hero <DE000A2E4K43> mit einem Jahresplus von bislang knapp 78 Prozent am besten geschlagen. Das Unternehmen war erst im August für den wegen eines Bilanzskandals insolventen Zahlungsabwickler Wirecard <DE0007472060> in die erste deutsche Börsenliga aufgerückt und profitiert vom Trend hin zu Online-Essenslieferungen. Am anderen Ende der Rangliste verzeichnen die Papiere von Bayer <DE000BAY0017> aktuell ein Jahresminus von rund einem Drittel. Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern konnte den US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter immer noch nicht komplett beilegen und im Agrargeschäft hakt es gewaltig.

Am Tag vor Silvester endet der Handel in Frankfurt derweil bereits um 14 Uhr. Damit kann der Dax auf weitere internationale Vorgaben erst im neuen Jahr reagieren. In London, Paris und New York wird auch an Silvester noch gehandelt. Den tonangebenden US-Börsen bleibt damit noch ein Tag mehr für höhere Rekorde. Am Vortag hatten die Anleger aber auch dort die Handbremse angezogen, nachdem höhere Hilfszahlungen an die Bürger im Senat abgeblockt wurden.