Aktien Frankfurt Ausblick: Gespannte Ruhe vor US-Wahl

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Vor der US-Präsidentschaftswahl dürften sich am Montag die Anleger am deutschen Aktienmarkt zunächst bedeckt halten. Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex verzeichnete gut eine Stunde vor dem Xetra-Start Kursgewinne von 0,13 Prozent auf 11 572 Punkte. Das Leitbarometer der Eurozone, der EuroStoxx 50 <EU0009658145>, wird 0,4 Prozent fester erwartet.

Stabilisierende Wirkung auf den deutschen Aktienmarkt haben Wirtschaftsdaten aus China, wo die Stimmung im Oktober in den Chefetagen chinesischer Unternehmen so gut wie seit fast zehn Jahren nicht mehr war, wie der Einkaufsmanagerindex des Wirtschaftsmagazins "Caixin" für das herstellende Gewerbe zeigte.

In der Vorwoche war der Dax um mehr als 1000 Zähler oder fast neun Prozent eingebrochen, vor allem belastet von neuen Corona-Lockdowns in zahlreichen Ländern Europas und den Unwägbarkeiten, die mit der US-Wahl an diesem Dienstag verbunden sind, aber auch von hohen Kursverlusten des Index-Schwergewichts SAP <DE0007164600>.

"Es könnte durchaus über mehrere Tage hinweg unsicher sein, wer die Präsidentschaftswahl in den USA gewonnen hat", sagte Experte Edgar Walk vom Bankhaus Metzler. Der Volkswirt sprach von "Schicksalswahlen", deren offizielles Ergebnis wohl erst einige Tage nach Wahlschluss feststehen dürfte. Der demokratische Kandidat Joe Biden habe gute Chancen auf einen Sieg, zudem könnten die Demokraten die Mehrheit im Senat zurückerobern.

In diesem Szenario drohten höhere Steuern für Unternehmen, auf die die US-Aktienmärkte zunächst mit Kursverlusten reagieren könnten. "Eine demokratisch geführte Regierung würde jedoch auch die Staatsausgaben merklich erhöhen und damit positive Impulse für die Konjunktur setzen", fügte Walk hinzu.

Laut dem Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners können sich die Börsen sowohl mit einem Präsidenten Trump als auch mit einem Präsidenten Biden arrangieren, so unterschiedlich die beiden Kandidaten und ihre Programme auch seien. "Wichtig für die Börsianer wird sein, dass sie frühzeitig, also in der Wahlnacht wissen, wohin die Reise geht." Eine Hängepartie mit einem lange Zeit unklaren Ausgang wäre das schlimmste Szenario, so Altmann.

Neben der US-Wahl und den Lockdowns in Europa bestimmt die Bilanzsaison weiterhin die Agenda in dieser Woche. Am Montag geht es mit dem Bericht des Medizintechnikkonzerns Siemens Healthineers <DE000SHL1006> und den detallierten Quartalszahlen des Finanzdienstleisters Hypoport <DE0005493365> noch ruhig zu.

Siemens Healthineers <DE000SHL1006> will nach einer Delle im vergangenen Geschäftsjahr wieder zu Wachstum zurückkehren. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sieht Healthineers in einer recht breiten Spanne bei 1,58 bis 1,72 Euro, was einem Händler zufolge schlechter als erwartet ist. Das Abschneiden des Konzerns im vierten Geschäftsquartal nannte er durchwachsen. Die Diagnostiksparte bleibe das Problem. Der freie Barmittelfluss und die Dividende fielen aber etwas besser als erwartet aus. Vorbörslich stiegen die Titel auf Tradegate um 0,9 Prozent zum Xetra-Schluss.

Hypoport sieht sich trotz der Corona-Krise und einem deutlichen Gewinnrückgang auf Kurs zum Erreichen der Jahresziele. Die Papiere gewannen auf Tradegate 2,3 Prozent zum Xetra-Schlusskurs.

Die Aktien des Ethanolherstellers Cropenergies <DE000A0LAUP1> rückten um 1,4 Prozent vor verglichen mit dem Xetra-Schluss vom Freitag. Sie ersetzen von diesem Montag an im Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386> die Papiere des Start-Up-Investors Rocket Internet <DE000A12UKK6>, der sich von der Börse verabschiedet.