Aktien Frankfurt: Anleger wagen sich etwas aus der Deckung

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat am Dienstag einen weiteren zaghaften Absetzversuch von der 13 000-Punkte-Marke unternommen. Die Flut von Unternehmenszahlen in den kommenden Tagen sowie die am Donnerstag anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hielten viele Anleger aber in der Defensive, sagte ein Marktkenner.

Zuletzt gewann der Dax 0,15 Prozent auf 13 022,26 Punkte, nachdem er am Vortag gerade mal so die 13 000 Punkte behauptet hatte. Lediglich in der Vorwoche war es dem deutschen Leitindex mit einem Rekordhoch von 13 094 Punkten kurz gelungen, sich deutlich von der runden Schwelle abzusetzen. Seitdem pendelt er um diese Marke.

"Der Dax ist gerade weder Fisch noch Fleisch", stellte Börsenexperte Jochen Stanzl von CMC Markets fest. Der Markt warte auf die EZB am Donnerstag. "Die Bullen hoffen auf eine Trendwende, die sich dann abzeichnet, wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar unter 1,1660 fallen würde", so Stanzl. Aktuell steht er bei etwa 1,1760 US-Dollar.

Der MDax , in dem die Aktien mittelgroßer Konzerne vertreten sind, gewann am Dienstag 0,33 Prozent auf 26 136,49 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 0,11 Prozent auf 2502,28 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,14 Prozent.

Im Zuge der Berichtssaison standen BASF-Aktien im Fokus: Die Ludwigshafener haben im dritten Quartal mehr verdient und bestätigten ihren Ausblick. Die Prognose auf das Gesamtjahr 2017 habe jedoch etwas enttäuscht, sagte ein Händler. Die Aktien des Chemiekonzerns bildeten mit einem Minus von 1,1 Prozent das Schlusslicht im Dax. Seit Ende August waren BASF-Papiere allerdings um fast 14 Prozent geklettert und hatten damit klar besser als der deutsche Leitindex abgeschnitten.

Auch Covestro wartete mit Quartalszahlen auf. Die ehemalige Bayer-Tochter profitierte im dritten Quartal von einer weiter robusten Nachfrage nach Kunststoffen und höheren Preisen für ihre Produkte. Die Kennziffern seien besser als erwartet ausgefallen, schrieb Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan und lobte den überraschend angekündigten Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Covestro-Papiere stiegen an der MDax-Spitze um 5,4 Prozent.

Spitzenreiter im Dax waren die Titel der Commerzbank mit einem Plus von 3,6 Prozent. "Die Übernahmefantasie ist wieder präsent", sagte ein Börsianer. Anlass ist ein Bericht der "Financial Times", wonach die Bank mit Beratern von Goldman Sachs und Rothschild mögliche Übernahmeszenarien durchspiele. Zuletzt waren am Markt die französischen Banken Credit Agricole und BNP Paribas sowie die italienische Unicredit als mögliche Käufer der Commerzbank diskutiert worden. Allerdings hat der deutsche Staat als größter Anteilseigner ein Mitspracherecht.

Der Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub ist nach den ersten neun Monaten angesichts höherer Rohstoffkosten nun vorsichtiger mit Blick auf den operativen Gewinn für 2017. Die Fuchs-Titel sackten am MDax-Ende um 5,3 Prozent ab. Zwischenzeitlich waren sie unter die als Indikator für den langfristigen Trend geltende 200-Tage-Linie gerutscht und hatten den tiefsten Stand seit mehr als sechs Monaten erreicht.

Eine positive Analystenstudie brachte die Aktien von Axel Springer auf Rekordkurs. Die Papiere des Verlagskonzerns stiegen zeitweise auf einen historischen Höchststand von 60,25 Euro. Zwar bröckelten sie in der Folgezeit wieder ab, notierten zuletzt aber immer noch rund 3 Prozent höher bei 59,32 Euro. Damit gehörten sie zu den attraktivsten Werten im MDax . Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte die Titel von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 55,80 auf 70,00 Euro erhöht.

Die Aktien von Morphosys sprangen um 5,8 Prozent an und haben nun freie Fahrt in Richtung des Mehrjahreshochs von 88,50 Euro. Ihr Rekordhoch von 148,15 Euro hatten sie im Februar 2000 erreicht. Das Biotech-Unternehmen erhielt für seinen Antikörper MOR208 von der US-Gesundheitsbehörde FDA den Status Therapiedurchbruch. Dies signalisiert eine bessere Wirksamkeit gegenüber derzeit verfügbaren Therapien für schwerwiegende oder lebensbedrohliche Erkrankungen.

Eine erneute Prognosesenkung schockte die Anleger von GFT: Nachdem der Softwarehersteller seine Jahresziele weiter gesenkt hat, brachen die Papiere um bis zu 13,5 Prozent auf das tiefste Niveau seit Januar 2015 ein. Zuletzt notierten sie 10 Prozent niedriger. Im Jahr 2017 müssen die Aktionäre nun einen Kursverlust von rund einem Drittel verkraften - nur Nordex-Anlegern ergeht es noch schlechter./edh/das

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---