Aktien Frankfurt: Anleger schalten einen Gang zurück

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einem überschwänglichen Wochenstart lassen es die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Dienstag vorerst einmal ruhiger angehen. Der Dax pendelte im Laufe des Morgens um seinen Schlusskurs vom Vortag, als die Hoffnung auf eine baldige Verabschiedung der US-Steuerreform ihm den größten Tagesgewinn seit Anfang November beschert hatte. Zuletzt stand der Leitindex knapp mit 0,08 Prozent im Minus bei 13 301,83 Punkten.

Eine leicht rückläufige, aber auf hohem Niveau verbleibende Stimmung in den deutschen Unternehmen war dem Markt weder im positiven noch im negativen Sinne ein Kurstreiber. Geblickt wird nun am Dienstag auf die Abstimmung über die Steuerpläne von Präsident Donald Trump im Abgeordnetenhaus. Dort und im Senat gilt eine Zustimmung mittlerweile als immer wahrscheinlicher, sodass der US-Präsident vielleicht noch diese Woche eine Unterschrift unter seine versprochenen Erleichterungen setzen kann.

Für den Börsenfachmann Robert Halver von der Baader Bank bleibt die Stimmung entsprechend gut. "Wenn deutsche Unternehmen in den USA investieren, werden auch sie davon profitieren", sagte der Experte. Mit Blick auf die Frage, ob vom Dax noch ein Jahresendspurt zu erwarten ist, betonte er aber, dass große Marktteilnehmer bereits satt investiert seien. Das berühmte "Window Dressing" könne zum Jahresende hin aber nochmals für Ausschläge bei Einzelwerten sorgen. Dabei versuchen institutionelle Investoren, ihr Portfolio durch gut gelaufene Aktien in ein besseres Licht zu rücken.

Weitere Indizes lagen derweil am Dienstag auch denkbar knapp unter der Gewinnschwelle. Der MDax gab leicht um 0,03 Prozent auf 26 437,06 Zähler nach, während es für den Technologiewerte-Index TecDax um 0,09 Prozent auf 2558,18 Punkte nach unten ging. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand ebenfalls um knappe 0,11 Prozent tiefer.

Auf Unternehmensseite sorgte am Morgen Ceconomy bei der Geschäftsjahresbilanz dafür, dass Anleger Kasse machten. JPMorgan-Analystin Georgina Johanan wertete den Ausblick als etwas enttäuschend. Die Aktien sackten daraufhin am MDax-Ende deutlich um 5,44 Prozent ab. Seit der Abspaltung von Metro im Juli hatten sie bis zum Vortag aber auch in der Spitze mehr als 30 Prozent an Wert gewonnen.

Besser erging es unter den mittelgroßen Werten den Aktien von Hugo Boss mit einem Kursgewinn von etwa 1 Prozent. Hier verlieh ein optimistischer Geschäftsausblick den Aktien des Modekonzerns frischen Rückenwind. Vorstandschef Mark Langer kündigte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für das kommende Geschäftsjahr wieder ein Umsatz- und Ergebniswachstum an.

Im Dax bewegten vor allem Analystenkommentare die Kurse. Papiere von Siemens und Linde gehörten mit Anstiegen von rund einem halben Prozent zu den Gewinnern. Die Aktien von Siemens hatte Mainfirst nun mit "Outperform" empfohlen. Bei Linde wurde auf eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank für den US-Fusionspartner Praxair als positiver Kurstreiber verwiesen.

Infineon-Aktien gaben dagegen um rund 1 Prozent nach. Begründet wurde dies mit einer gestrichenen Kaufempfehlung des Bankhauses Lampe. Titel der Deutschen Bank fielen sogar noch einen Tick deutlicher um etwas mehr als 1 Prozent. Die Citigroup hatte bei den Papieren des Finanzhauses am Dienstag weiter zum Verkauf geraten.

Im TecDax erholten sich die Papiere von Dialog Semiconductor mit mehr als 9 Prozent Plus deutlich von ihren Turbulenzen der vergangenen drei Wochen. Dort sorgte es für etwas Übernahmefantasie, dass der chinesische Großaktionär Tsinghua University seinen Anteil an dem Chipunternehmen auf gut 9 Prozent ausgebaut hat./tih/jha/

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---