Aktien Frankfurt: Anleger vor EZB-Zinssitzung in der Defensive

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Richtungssuche des Dax <DE0008469008> geht am Tag vor dem europäischen Zinsentscheid weiter. Nach dem Auf und Ab der vergangenen Tage war das Bild am Mittwoch durchwachsen: Auf den anfänglichen Test der Marke von 14 600 Zählern folgte der Dreh ins Minus. Gegen Mittag gab der deutsche Leitindex um 0,24 Prozent auf 14 522,04 Punkte nach. Der MDax <DE0008467416> verlor 0,38 Prozent auf 30 276,47 Zähler. Das Eurozonen-Barometer EuroStoxx 50 <EU0009658145> stand derweil fast auf Vortagsniveau.

Etwas Rückenwind kam anfangs von der Wall Street, wo es am Vorabend nach dem europäischen Handelsende noch deutlich aufwärts gegangen war. Anleger blieben dann aber in der Defensive vor wichtigen Ereignissen, die in den kommenden Tagen anstehen. Am Donnerstag wird erwartet, dass die EZB ihre geldpolitische Wende einleitet - mit einer möglichen ersten Zinsanhebung im Juli. Am Freitag stehen außerdem die jüngsten Verbraucherpreise aus den USA auf der Agenda.

"Die Anleger versuchten derzeit, eine Balance herzustellen zwischen der Angst vor einer Rezession und der Hoffnung, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht", sagte der Barclays-Marktstratege Emmanuel Cau. Ohne einen entscheidenden Rückgang der Verbraucherpreise gehe der Druck, unter dem die Notenbanken stehen, aber so schnell nicht zu Ende. "Bis die Auswirkungen einer strafferen Politik klarer werden, könnten die Märkte nervös bleiben, da der Weg zu einer sanften Landung schmal ist", so der Experte.

Auf Unternehmensseite belastete eine negative Erstbewertung der Berenberg Bank am Mittwoch die Papiere von Telefonica Deutschland <DE000A1J5RX9>, die um 5,7 Prozent absackten. Laut dem Analysten Usman Ghazi wird eine eigentlich gute Story der Aktie überschattet von Risiken beim Barmittelfluss und einer daher nicht gesicherten Dividende.

Sechs Prozent schwächer zeigten sich die Papiere von SAF-Holland <DE000SAFH001>. Der Zulieferer für die Nutzfahrzeugindustrie bietet 66 Kronen je Aktie für den schwedischen Bremsenhersteller Haldex, dessen Papiere in Stockholm um 44 Prozent in die Höhe sprangen. Börsianer zeigten sich überrascht von diesem Schritt. Einer von ihnen äußerte sich kritisch dazu, dass die Offerte vollständig auf Barmitteln basiere. Die Konditionen seien außerdem so, dass ein Scheitern noch möglich sei.

Generell schwach zeigten sich am Tag vor dem EZB-Entscheid die Finanzwerte - unter anderem wegen der Credit Suisse <CH0012138530>, die auch im zweiten Quartal mit einem Verlust rechnet. Titel der Deutschen Bank <DE0005140008> verloren als größter Dax-Verlierer 1,9 Prozent an Wert, während jene der Commerzbank <DE000CBK1001> nur leicht um 0,4 Prozent nachgaben. Bei dem MDax-Mitglied gibt es seit einigen Tagen wieder Übernahmefantasie.

Als größter SDax<DE0009653386>-Gewinner setzten die SGL-Papiere ihre Rally mit einem Anstieg um 9,1 Prozent auf 7,17 Euro fort. Infolge eines optimistischeren Ausblicks, der am Vortag den Kurs des Kohlefaserspezialist beflügelte, sieht das Analysehaus Stifel nun mit einem Kursziel von 11 Euro noch mehr Kurspotenzial. Der Geschäftstrend sei vielversprechender als gedacht, betonte der Analyst Andreas Heine. Binnen zwei Tagen haben die Papiere mehr als ein Fünftel gewonnen.

Um 6,5 Prozent erholen konnten sich im Kleinwerte-Index außerdem die Anteile der Adler Group <LU1250154413>, die sich neuerdings über ihrem 21-Tage-Durchschnitt halten. Dafür verantwortlich gemacht wurden Aussagen von Verwaltungsratschef Stefan Kirsten, der den Anlegern im Gespräch mit dem "Handelsblatt" bis zu 1,2 Milliarden Euro an Mittelzuflüssen aus Immobiliendeals in Aussicht stellte./tih/jha/

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

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