AKTIEN IM FOKUS: Thyssenkrupp bleiben auf Erholungskurs - Cevian macht Druck

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Hoffnung auf einen fortgesetzten Konzernumbau hat die Erholung der Aktien von Thyssenkrupp am Freitag gestützt. Sie stiegen am Vormittag als einer der Favoriten im wenig veränderten deutschen Leitindex Dax um 0,97 Prozent auf 23,005 Euro. Am Vortag hatten sie um knapp 4 Prozent zugelegt, nachdem der Essener Konzern für das gerade angelaufene Geschäftsjahr eine deutliche Verbesserung aller wichtigen Kennziffern in Aussicht gestellt und von Fortschritten bei der geplanten Stahl-Fusion gesprochen hatte.

Dem schwedischen Finanzinvestor Cevian, der dafür bekannt ist, sich aktiv in die Firmenpolitik einzumischen, ist das allerdings zu wenig. "Die Strategie hat bisher nicht das geliefert, was man versprochen hat", sagte Cevian-Mitgründer Lars Förberg dem "Handelsblatt". Er forderte Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger auf, nach der geplanten europäischen Stahlfusion mit Tata Steel weitere Schritte zu unternehmen, auch um wettbewerbsfähiger zu werden.

"Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die richtigen Strukturen zu finden", sagte Förberg. "Joint-Venture, dezentrale Unternehmensstrukturen, Spin-off. Das zentrale Thema ist doch, dass Konglomerate alten Stils nicht mehr funktionieren." Beim Stahl habe der Konzern die richtige Antwort mit der angestrebten Tata-Fusion gegeben. Auch für die anderen Sparten sei eine solche Lösung denkbar. "Cevian scheint den Druck auf das Management zu erhöhen", sagte ein Händler.

Cevian war im September 2013 bei Thyssenkrupp eingestiegen. Bereits damals war über eine Aufspaltung des Konzerns spekuliert worden. Mittlerweile halten die Schweden mehr als 15 Prozent.

Mit Blick auf die geplante Stahl-Fusion mit Tata ist Analyst Analyst Vladimir Sergievskiy von der britischen Bank Barclays allerdings skeptisch. Die möglichen positiven Auswirkungen würden überschätzt. Die Entkonsolidierung des Stahlgeschäfts werde das Potenzial von Thyssenkrupp, Mittelzuflüsse (Cashflow) zu erzielen, unmittelbar schmälern. Zudem dürfte das Stahl-Gemeinschaftsunternehmen längerfristig Probleme haben, die Einsparungen im Zuge des Zusammenschlusses auszunutzen. Auch müsse hierfür zunächst einmal viel Geld in die Hand genommen werden. Der Experte senkte sein Kursziel für Thyssenkrupp von 21 auf 20 Euro und beließ es beim "Underweight"-Votum.

Anleger bräuchten lediglich Geduld, glaubt hingegen Analyst Cedar Ekblom von der Bank of America Merrill Lynch (Bofa). Die Restrukturierung könnte zwar länger dauern, als einige Investoren dächten, doch seien die Aktien nach dem jüngsten Kursrückschlag wieder attraktiver. Neben dem allgemeinen, globalen Wirtschaftsaufschwung stimmt den Experten die Aufzugsparte optimistisch. Der Kapitalmarkttag Anfang Dezember könnte zum Kurstreiber werden, schrieb Ekblom. Auf diesem dürfte der Konzern sich zur Auftragsentwicklung im Aufzugsbereich und in der Sparte Industrial Solutions sowie zum weiteren Ablauf der Stahl-Fusion äußern.

Der Bofa-Experte hob seine Gewinnerwartungen an und setzt für die Aufzugsparte nun auch eine höhere Bewertung an. In der Folge schraubte er das Kursziel von 29 auf 30 Euro nach oben und sprach eine frische Kaufempfehlung aus.

Noch optimistischer ist Seth Rosenfeld, Analyst beim Investmenthaus Jefferies. Er rät ebenfalls zum Kauf und sieht mittelfristig Luft bis zu seinem Kursziel von 38 Euro. Die Zukunft hänge an der Investitionsgütersparte, die sich gut entwickelt habe und ein weiter wachsendes Auftragsbuch vorweisen könne, schrieb er in einer Studie. Der erste Ausblick auf 2018 erscheine konservativ. Der Analyst erwartet zudem vom Abschluss der Stahl-Fusion mit Tata im kommenden Jahr positive Kursimpulse.

Nach langem Hin und Her und Verhandlungen mit Tata hatten die beiden Konzerne Mitte September eine Absichtserklärung über das Stahl-Gemeinschaftsunternehmen unterzeichnet. Investoren hatten all das aber schon weitgehend vorweggenommen: Der Aktienkurs hatte in den vorherigen Monaten kräftig zugelegt. Seit September war die Luft dann erst einmal raus. Bis Mitte November fielen die Papiere um ein Fünftel auf ein Zwischentief bei 21,35 Euro.