AKTIEN IM FOKUS: RTL profitiert von guten Zahlen - ProSiebenSat.1 weiter schwach

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein überraschend gutes zweites Geschäftsquartal hat am Mittwoch für etwas Erholung bei den zuletzt angeschlagenen RTL-Aktien gesorgt. Während die Papiere des Rivalen ProSiebenSat.1 auch am zweiten Tag nach dessen Umsatzwarnung für das TV-Werbegeschäft nicht aus ihrem Vierjahrestief herauskamen und weiter nachgaben, gewann die im MDax notierte RTL-Aktie in der Spitze mehr als 7 Prozent dazu. Zuletzt stand noch ein Plus von fast zweieinhalb Prozent zu Buche.

Das Umsatzplus im zweiten Quartal hat RTL den Göttern zu verdanken - zumindest jenen, die in "American Gods" die Hauptrolle spielen. Diese von der konzerneigenen Produktionsfirma FreemantleMedia inszenierte Fantasy-Serie hat bei dem Medienkonzern mit Sitz in Luxemburg ordentlich die Kassen klingeln lassen und wesentlich zum Wachstum in der Produktionssparte von rund 35 Prozent beigetragen. Insgesamt wuchs der Konzernumsatz im Vorjahresvergleich um knapp 9 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro.

'KEINE BÖSE ÜBERRASCHUNG'

Fernsehen wird immer häufiger online konsumiert, weswegen auch Werbetreibende zunehmend ins Internet abwandern. Entgegen der Befürchtung einiger Marktexperten scheint sich das bislang aber kaum auf die Geschäfte von RTL ausgewirkt zu haben. Im wichtigsten Segment, dem deutschsprachigen TV- und Radiogeschäft, stiegen die Erlöse stattdessen um knapp 5 Prozent auf rund 550 Millionen Euro.

Die vom Management bestätigte Jahresprognose wertete UBS-Analyst Richard Eary positiv - speziell vor dem Hintergrund der jüngsten Aussagen von ProsiebenSat.1. Der konkurrierende Medienkonzern hatte am Montagabend bekannt gegeben, dass sich die TV-Werbeeinnahmen im September unter den bisherigen Erwartungen entwickelt hätten. Eine laut Goldman-Sachs-Analystin Lisa Yang böse Überraschung, die - so ein Börsianer - heute bei RTL ausgeblieben ist.

BRANCHE UNTER DRUCK

Nachdem das RTL-Papier seinen Vortagesrutsch zum Teil wettmachen konnte, steht es nunmehr nur noch an achter Stelle der schlechtesten Werte im MDax für mittelgroße Unternehmen. Seit Jahresbeginn hat es insgesamt trotzdem mehr als 8 Prozent an Wert verloren. Mit über 24 Prozent ist das Minus der im Dax gelisteten ProSiebenSat.1-Aktie mehr als drei Mal so hoch.

Dass letztlich die gesamte Medienbranche unter Druck steht, zeigt sich an den starken Kursausschlägen der einzelnen Papiere auf negative Nachrichten. Bereits eine Woche vor der Umsatzwarnung von ProSiebenSat.1 war es zu einem ähnlichen Ereignis gekommen: Damals war es der britische Werbekonzern WPP , der mit seiner Umsatzwarnung die Aktien des Werbevermarkters Ströer sowie die von RTL und ProSiebenSat.1 hatte einknicken lassen.