AKTIEN IM FOKUS 3: Versorger nach Gasstopp volatil - Uniper mit Rekordtief

(neu: Schlusskurse, Gaspreis, DZ Bank)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Gaskrise hat den deutschen Aktienmarkt fest im Griff. Am Montag ging es bei den Aktien von Versorgern einmal mehr turbulent zu. Auslöser war der Stopp der Gaslieferungen Russlands durch die Nord-Stream-1-Pipeline. Hinzu kommt das milliardenschwere neue Entlastungspaket der Bundesregierung, das die Kurse beeinflusste.

Im 2,2 Prozent tieferen Dax <DE0008469008> verloren die Anteilsscheine von RWE <DE0007037129> anfangs fünf Prozent, aus dem Handel gingen sie mit einem knappen Plus von 0,08 Prozent auf 39 Euro. Die Papiere von Eon <DE000ENAG999> verbuchten an der Dax-Spitze ein Plus von ein Prozent auf 8,93 Euro. Weiterhin besonders zu leiden hat unter den aktuell sehr hohen Gaspreisen und den zunehmenden Lieferbeschränkungen der größte deutsche Gasimporteur Uniper <DE000UNSE018>, dessen Papiere erstmals überhaupt unter die Marke von fünf Euro fielen. Zum Handelsende büßten sie knapp darüber stehend als Schlusslicht im MDax <DE0008467416> rund elf Prozent ein.

Die Branche wird vor allem dadurch belastet, dass Gazprom alle Lieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 bis auf Weiteres ruhen lässt - angeblich wegen technischer Probleme. Somit bekommt Deutschland also praktisch kein Gas mehr aus Russland. Vermutet wird, dass Kremlchef Wladimir Putin den Westen - und insbesondere Deutschland - im Konflikt um die Ukraine noch mehr unter Druck setzen will.

"Russland hat den Gashahn zugedreht, und angesichts der Sanktionen gegen Moskau dürfte sich daran vorerst wenig ändern", schrieb Analyst Christian Henke von IG Markets. Die Gasspeicher hierzulande seien zwar gut gefüllt. Doch es stelle sich die Frage, wie diese weiterhin gefüllt werden sollen und ob es ausreichende Alternative geben werde, wenn vor allem im Winter der Gasverbrauch deutlich steige. "Die Angst vor einer Lehman-artigen Krise im europäischen Energiesektor wächst", schrieb Jochen Stanzl, Analyst beim Handelshaus CMC Markets.

Als Folge des Gasstopps hatte der europäische Erdgaspreis an der Energiebörse in Amsterdam vor allem am Vormittag deutlich angezogen, wodurch sich die Bezugspreise auf den eng vernetzten Energiemärkten weiter erhöhten. Am Nachmittag kam der Erdgaspreis dann wieder etwas zurück. Gerade dies könnte laut Marktbeobachtern den Aktienkurs von RWE dann begünstigt haben. Der Preis des Terminkontrakts TTF für niederländisches Erdgas wird häufig als Richtschnur für das europäische Preisniveau verwendet.

Zudem will die Ampel-Koalition Bürgerinnen und Bürger angesichts steigender Preise mit einem dritten Unterstützungspaket in Höhe von mehr als 65 Milliarden Euro entlasten. Eine geplante Maßnahme ist, dass für einen gewissen Basisverbrauch an Strom ein vergünstigter Preis gelten soll. Für einen zusätzlichen Verbrauch darüber hinaus wäre der Preis nicht begrenzt. Finanziert werden soll die Preisbremse, indem übermäßige Gewinne am Strommarkt abgeschöpft werden sollen.

Das Paket überrasche positiv für Eon und negativ für RWE, schrieb Analyst Peter Crampton von der britischen Investmentbank Barclays. Das liege auch daran, dass die Regierung stärker auf die Besteuerung von Übergewinnen von Energiekonzernen setzen wolle als erwartet. Mit Blick auf Eon seien die Vorschläge positiv, die Menschen bei den Stromrechnungen zu entlasten. RWE ist vor allem in der Stromerzeugung aktiv, wohingegen Eon sich auf Netze und Vertrieb fokussiert.

Die Aussicht auf die Abschöpfung von Übergewinnen sorgte auch bei den Titeln von Projektentwicklern für erneuerbare Energien für deutliche Einbußen. So sackten die Anteile des Solar- und Windpark-Betreibers Encavis <DE0006095003> um 3,7 Prozent ab und die von PNE <DE000A0JBPG2> um 4,1 Prozent. Die DZ Bank senkte am Nachmittag den fairen Wert für die Encavis-Titel. Die von der Bundesregierung geplante "Zufallsgewinn"-Abgabe zur Gegenfinanzierung des angekündigten Entlastungspakets könnte den Unternehmensgewinn belasten, schrieb Analyst Sven Kürten. Er wies darauf hin, dass Encavis in der ersten Jahreshälfte deutlich von den hohen Strompreisen profitiert habe.