AKTIEN IM FOKUS 2: Vonovia nach Wahl gefragt - Immobilien allgemein fest

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(neu: Schlusskurse)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Ergebnis der Bundestagswahl hat die Anleger am Montag bei Immobilienwerten zugreifen lassen. Börsianern zufolge galt dies vor allem bei Wohnimmobilien-Aktien, weil eine rot-rot-grüne Koalition auf Bundesebene vom Tisch ist. Die Aktien von Vonovia <DE000A1ML7J1> etwa rückten am Ende um 1,8 Prozent vor, gleichwohl sie im Verlauf auch schon deutlich mehr zugelegt hatten. LEG <DE000LEG1110> und Aroundtown <LU1673108939> gewannen im MDax <DE0008467416> bis zu 1,7 Prozent.

Die Aktien von Vonovia reagierten also nicht negativ darauf, dass bei einem Volksentscheid in Berlin für eine Enteignung von Wohnungsunternehmen gestimmt wurde. Stark davon betroffen wäre etwa das Übernahmeziel Deutsche Wohnen <DE000A0HN5C6>, hier blieben die Aktien allerdings von der geplanten Fusion gesteuert: Der Kurs trat nahe der Vonovia-Offerte von 53 Euro praktisch auf der Stelle. Bei der Übernahme wurden zuletzt Fortschritte vermeldet, mittlerweile hält Vonovia die Aktienmehrheit an dem Konkurrenten.

Somit wurde es weder bei Vonovia noch dem Übernahmeziel Deutsche Wohnen zur Belastung, dass sich die Berliner im Rahmen eines Volksentscheids für die Enteignung großer Wohnungskonzerne ausgesprochen haben. Damit ist der Senat laut Beschlusstext nun aufgefordert, "alle Maßnahmen einzuleiten", die zur Überführung von Immobilien in Gemeineigentum erforderlich sind, und dazu ein Gesetz zu erarbeiten. Rechtlich bindend allerdings ist das Votum für die Politik nicht.

"Die Gefahr einer rot-rot-grünen Bundesregierung ist vorbei und somit rechnen nun viele Marktteilnehmer mit einem eher gemäßigten weiteren Vorgehen bei dem Thema hohe Mieten", sagte Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect. Er empfand auch die fortgeschrittenen Übernahmebestrebungen bei dem Konkurrenten Deutsche Wohnen als hilfreich für den Vonovia-Kurs. Bis zum späten Freitag hatte sich Vonovia 50,49 Prozent gesichert.

Andere Börsianer ergänzten, die Lage in Berlin bleibe zwar verunsichernd vor allem für auf diese Stadt fokussierte Konzerne, zu denen vor allem der Vonovia-Fusionspartner Deutsche Wohnen zählt. Dass die Linke auf Bundesebene jedoch nicht für eine Koalition in Frage komme, mildere die Sorgen, dass die Berliner Initiative deutschlandweit Schule machen könnte.

Am Markt gab es auch Stimmen, die die Berliner Situation als nur mäßig beunruhigend empfanden. Für den Sektor bleibe die Zukunft in der Hauptstadt zwar ein zentrales und auch belastendes Thema. "Die Auswirkungen einer möglichen Enteignung könnten sich aber dennoch im Rahmen halten, sofern die Immobilienbesitzer zum Beispiel zu Preisen auf Marktniveau entschädigt werden müssen", so ein Börsianer.

Analyst Julian Livingston-Booth von der kanadischen Bank RBC äußerte sich ähnlich. Er sieht den Sektor zwar weiter in einer Phase der Unsicherheit. Es gebe aber gute Argumente, warum es unwahrscheinlich sei, dass die neue Berliner Regierung das Gesetz tatsächlich verabschieden werde. "Darüber hinaus dürfte es rechtliche Anfechtungen geben, insbesondere wenn der Enteignungspreis deutlich unter dem aktuellen Buchwert liegt", so der Experte.

Er führte außerdem an, dass die SPD als Berliner Wahlsieger der Enteignung nicht gerade offen gegenüber stehe und im Zuge der Abgeordnetenwahl andere Optionen bekommen habe: "Die SPD hat eine Alternative zur Koalition mit Grünen und Linken", betonte der Experte. Vor allem bei letzterer Partei, vereinzelt aber auch den Grünen, sieht er das Hauptlager der Unterstützer für Enteignungen in Berlin.

Anderswo im deutschen Immobiliensektor war die Kursreaktion ebenfalls positiv. Alstria Office <DE000A0LD2U1> und Grand City legten im MDax um bis zu 0,8 Prozent zu. Im Nebenwerteindex SDax <DE0009653386> rückten Patrizia <DE000PAT1AG3> und Adler Group <LU1250154413> um bis zu 2,8 Prozent vor. Gesamteuropäisch gehörte der Sektorindex Stoxx Europe 600 Real Estate mit einem halben Prozent zu den Gewinnern in der Branchenwertung.

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