Aktien Europa: Vortagesgewinne schmelzen angesichts Zinssorgen wieder dahin

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Nach dem starken Wochenstart haben Europas wichtigste Aktienmärkte am Dienstag einen Teil ihrer Vortagesgewinne wieder eingebüßt. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> verlor 0,73 Prozent auf 3810,42 Punkte. Als Dämpfer wirkte der zuletzt starke Anstieg der Renditen an den US-Anleihemärkten, womit Aktien tendenziell weniger attraktiv erscheinen. Dies hatte zuvor bereits den Handel an der Wall Street und in Asien überschattet. Noch weiter befeuert wurden die Zinssorgen durch die überraschend starke Leitzinsanhebung in Australien. Dies lässt die Spannung vor der anstehenden Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag weiter steigen.

Zwar wird von den Währungshütern in Europa in dieser Woche noch kein Zinsschritt erwartet, doch wird am Markt eine schnellere Straffung der Geldpolitik angesichts der hohen Inflation generell nicht mehr ausgeschlossen. Zu diesem Szenario passte auch die Veröffentlichung schwacher Konjunkturdaten aus Deutschland mit einem überraschend starken Rückgang des Auftragseingangs in der Industrie im April.

Auch die Börse in Paris gab am Dienstag nach, der französische Cac 40 <FR0003500008> sank um 0,63 Prozent auf 6507,40 Zähler. Der britische FTSE 100 <GB0001383545> verharrte bei knapp 7608 Punkten nahezu auf der Stelle - das gescheiterte Misstrauensvotum gegen den britischen Premier Boris Johnson hatte derweil laut Analystin Sophie Lund Yates von Hargreaves Landsdown auf den Handel an der Londoner Börse nur wenig Einfluss.

Branchenseitig war in Europa am Dienstag die Liste der Verlierer lang, vorrangig verkauften die Anleger Technologiewerte. Für den Zahlungsabwickler Adyen <NL0012969182> ging es auf dem letzten Platz im EuroStoxx 50 um rund dreieinhalb Prozent bergab.

Zu den wenigen Gewinnern gehörten Ölwerte angesichts weiter steigender Ölpreise, der Rohstoffsektor profitierte von einer Kaufempfehlung für Bergbaukonzerne von Barclays <GB0031348658>. Rio Tinto <GB0007188757> etwa zogen daraufhin um knapp eineinhalb Prozent an. Ein Prozent betrug das Plus für Konkurrent Glencore <JE00B4T3BW64>, hier wurde zudem bekannt, dass der Konzern noch im Juni den deutschen Sportartikelhersteller Adidas <DE000A1EWWW0> im Stoxx Europe 50 <EU0009658160> ersetzt.

In Schweden gerieten die Anteile an der Fluggesellschaft SAS <SE0003366871> kräftig unter Druck und gaben zuletzt um fast zwölf Prozent nach. Auslöser des Kursrutsches war die Ankündigung der Regierung in Stockholm, der verlustreichen Gesellschaft kein weiteres Kapital nachzuschießen.

In der Schweiz knüpften Zur Rose <CH0042615283> an ihre jüngste Verlustserie mit einem Abschlag von knapp drei Prozent an. In der vergangenen Woche war der Kursschub durch den festgezurrten Zeitplan zum E-Rezept in Deutschland schnell wieder verhallt. Barclays-Analyst Otto Sieber senkte nunmehr sein Kursziel für die Schweizer Versandapotheke, er hatte sich ein schnelleres Tempo bei der Einführung der elektronischen Verschreibung und mehr Verbindlichkeit erhofft.

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