Aktien Europa: Unsicherheit setzt sich fort - Auswirkungen von Virus unklar

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - An den Börsen in Europa sind Anleger zum Wochenstart wegen der Sorgen um das Coronavirus weiter auf die Bremse getreten. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> fiel um 0,20 Prozent auf 3791,06 Punkte, nachdem sich bereits an einigen Märkten in Asien neue Unsicherheit breit gemacht hatte. In der vergangenen Woche hatte sich ein großer Teil der weltweiten Börsen von den Unsicherheiten um die neue Lungenkrankheit erholt. Nun treibt viele die Frage um, wie stark sich die Krise auf die Wirtschaft auswirken wird.

Die Zahl der Todesopfer durch das neue Virus ist mittlerweile höher als bei der Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Gleichzeitig - und aus Sicht der Aktienmärkte wohl entscheidend - ist in China die Zahl der Neuinfektionen innerhalb eines Tages mit 2656 so niedrig wie seit einer Woche nicht mehr.

Für Jochen Stanzl von CMC-Markets bleibt die entscheidende Frage, wann der Höhepunkt der Epidemie erreicht sein wird. Experten rechnen damit, dass dies in zwei oder drei Wochen der Fall sein wird. "Kommt der Höhepunkt der Neuinfektionen nicht zeitnah, sind die Börsen auch in der Lage, den Rückwärtsgang einzuschalten", schrieb Stanzl in einem Marktkommentar. Aktuell würden die Anleger dem Szenario eine größere Wahrscheinlichkeit beimessen, dass die Situation unter Kontrolle gebracht werden kann.

Auch die Strafzölle der USA wurden zu Wochenbeginn wieder zu einem Thema. Am Wochenende sind Sonderabgaben auf Produkte wie Stahlnägel, Heftklammern, Draht und Kabel in Kraft getreten. Beobachtern zufolge habe sich auch das zum Teil hemmend auf manche Märkte ausgewirkt.

Während die italienische Industrie ihre Produktion im Dezember stärker als erwartet eingeschränkt hatte, ist gleichzeitig die Wirtschaftsstimmung in der gesamten Eurozone wegen des Coronavirus schlechter geworden. Der Indikator des Forschungsinstituts Sentix fiel im Februar um 2,4 Punkte auf 5,2 Zähler. Es ist der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge. Sowohl die Bewertung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen verschlechterten sich.

Der französische Leitindex Cac 40 <FR0003500008> sank zuletzt um 0,39 Prozent auf 6006,36 Punkte. Der Londoner FTSE 100 <GB0001383545> gab im gleichen Tempo nach. In dem insgesamt schwachen europäischen Umfeld blieben die Immobilienwerte zuletzt vergleichsweise stabil. Öl- und Gasunternehmen gerieten dagegen besonders unter Druck.

Mit Blick auf einzelne Unternehmen haben Hoffnungen auf eine Übernahme von NMC Health <GB00B7FC0762> die Aktien des Krankenhausbetreibers und Anbieters von Gesundheitsprodukten kräftig nach oben getrieben. Zuletzt standen sie mit plus 10 Prozent auf 767 Pence mit Abstand an der Spitze im FTSE 100 <GB0001383545>. Wie NMC Health mitteilte, haben die Beteiligungsgesellschaft KKR und die GK Investment ein Übernahmeinteresse angemeldet. NMC Health sprach von einem sehr vorläufigen Interesse. Ein Angebot gebe es nicht.

Darüber hinaus sorgten Analysten für einige Kursveränderungen, etwa beim dänischen Windkraftanlagenbauer Vestas <DK0010268606>. Die französische Bank Societe Generale hatte eine Verkaufsempfehlung für die Aktien ausgesprochen, das Papier verlor anschließend etwa eineinhalb Prozent an Wert. Besser lief es dagegen für die Anteilsscheine des norwegischen Düngerproduzent Yara <NO0010208051>, die nach einer Kaufempfehlung durch die BNP Paribas um etwa 2 Prozent zulegten.

Die Aktien des Modehändlers Asos <GB0030927254> profitierten von einer Kaufempfehlung durch die Privatbank Berenberg und gewannen zuletzt zweieinhalb Prozent dazu. Das Unternehmen sei aus dem Gröbsten heraus, schrieb Analystin Michelle Wilson in einer am Montag vorliegenden Studie. Die neue Logistikinfrastruktur sei robust, was sich während des Hochbetriebs im Handel bewiesen habe.