Aktien Europa: Rezessionsängste belasten - Philips brechen nach Zahlen ein

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PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Auf einen für Europas Börsen sehr schwachen Freitag ist ein ebenfalls sehr schwacher Montag gefolgt. Angesichts der wachsenden Sorgen in puncto einer Rezession sowie über deutlichere Zinsschritte in den USA und womöglich auch bald höherer Leitzinsen in der Eurozone blieb die Stimmung unter den Anlegern weiterhin schlecht. Auch die Wiederwahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron konnte die Laune nicht aufhellen.

Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> sackte um 2,34 Prozent auf 3750,04 Punkte ab und fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte März. Am Freitag war der Eurozonen-Leitindex bereits um etwas mehr als zwei Prozent abgerutscht. Der französische Cac 40 <FR0003500008> sank zum Wochenstart um 2,31 Prozent auf 6429,23 Punkte. Der britische FTSE 100 <GB0001383545> büßte 2,29 Prozent auf 7349,30 Punkte ein.

Eine hohe Inflation, der Krieg in der Ukraine, die fortdauernden Lieferketten-Probleme und außerdem noch eine sich zuspitzende Corona-Situation in China riefen Rezessionsängste wach.

"Die Börsen belastet die Angst, dass die zur Bekämpfung der hartnäckigen Inflation notwendigen Zinserhöhungen den Konjunkturmotor endgültig abwürgen", schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets. Erst habe die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die globalen Lieferketten die Wirtschaft belastet. Dann sei sie durch den Krieg in der Ukraine weiter ins Stocken geraten. Inzwischen scheine es keine Frage mehr zu sein, ob es eine Rezession in Europa geben werde, sondern eher, wie stark sie ausfallen werde. "Und selbst für die noch relativ stabile US-Wirtschaft ist ein solches Szenario nicht mehr ausgeschlossen."

Unter den Einzelwerten im EuroStoxx stachen Philips <NL0000009538> nach Quartalszahlen mit minus zehn Prozent hervor. Der Medizintechnikkonzern sieht sich weiterhin Problemen in der Lieferkette ausgesetzt. Höhere Kosten sowie weitere Rückstellungen für den Rückruf und Austausch von Beatmungsgeräten führten zu einem noch höheren Verlust. Analysten verwiesen war auf den leicht über den Erwartungen liegenden Umsatz, doch wie die US-Bank JPMorgan schrieb, sei dieser von geringer Qualität. Zudem seien die weiteren Rückstellungen negative Neuigkeiten.

Vinci <FR0000125486> nahmen dagegen mit plus 1,1 Prozent die Spitze des Benchmark-Index der Eurozone ein. Anleger reagierten Marktbeobachtern zufolge erleichtert auf den Wahlsieg Macrons. Seine Widersacherin, die rechts gerichtete Marine Le Pen hatte für den Fall ihrer Wahl davon gesprochen, die französischen Autobahnen zu verstaatlichen.

Deutlich besser als der Gesamtmarkt hielten sich auch die Papiere des Medienunternehmens Vivendi. Sie gaben im Cac 40 um unterdurchschnittliche 0,7 Prozent nach. Vivendi <FR0000127771> hatte vor der Hauptversammlung an diesem Montag seine Umsatzzahlen zum ersten Quartal veröffentlicht, die überraschend stark ausgefallen waren.

Roche <CH0012032048> gaben im währungsgemischten Stoxx Europe 50 <EU0009658160> um 2,0 Prozent nach. Der Pharmakonzern wuchs im ersten Quartal zwar etwas stärker als erwartet, doch das war einmal mehr der kleineren Diagnostik-Sparte zu verdanken. Diese übertraf dank reißender Absätze mit Corona-Tests die durchschnittlichen Markterwartungen. Dagegen enttäuschte nach Ansicht von Analysten das weitaus größere Pharma-Geschäft.

Valneva <FR0004056851> büßten außerhalb der großen Indizes an der Pariser Euronext <NL0006294274>-Börse knapp 15 Prozent ein. Der Impfstoff-Forscher hatte zuvor mitgeteilt, dass der Ausschuss CHMP der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für den Corona-Impfstoff noch kein grünes Licht für die Zulassung gegeben habe. Stattdessen seien mehr Daten angefordert worden.

Unter den 19 europäischen Branchen war die der Rohstoffe <EU0009658624> die schwächste mit minus 5,5 Prozent. Branchenexperte Daniel Briesemann von der Commerzbank verwies auf die zum Wochenstart deutlich gesunkenen Metallpreise. Grund seien die Nachfrage-Sorgen in China im Zuge der Corona-Pandemie, die nun zu einer generell hohen Risikoaversion beitrügen.

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