Aktien Europa: Im Minus - Anleger schalten auf Risikoscheu um

dpa-AFX

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die Kauflaune an Europas Börsen scheint vorerst verflogen. Der EuroStoxx 50 knüpfte am Freitag an seine Vortagesverluste an und stand gegen Mittag mit 0,54 Prozent im Minus bei 3140,36 Punkten. Die Anleger scheuten derzeit generell das Risiko, sagte ein Marktbeobachter am Freitag. Auf Wochensicht steuert der europäische Leitindex aktuell auf einen Verlust von etwa 1 Prozent hin.

Die Märkte in Europa leiden schon länger unter dem starken Euro und der politischen Unsicherheit über eine neue Regierung in Deutschland. Medienberichten zufolge kommt nun erneut Bewegung ins politische Berlin: Laut "Bild"-Zeitung wollen CDU/CSU und SPD Verhandlungen über eine erneute Große Koalition aufnehmen.

Nach der jüngsten Rekordjagd an der Wall Street kamen hingegen zuletzt von dort leicht negative Signale. Börsianer verwiesen auf die überraschende Verschiebung der Abstimmung zur geplanten US-Steuerreform im Senat. Dies habe die Hoffnung eingetrübt, dass die Steuerpläne des US-Präsidenten Donald Trump bald durchgewunken werden könnten, hieß es.

Auch an der französischen Leitbörse in Paris ging es vor dem Wochenende abwärts: Der CAC-40 -Index schrieb seine Verluste vom Vortag weiter fort und rutschte zuletzt um 0,95 Prozent auf 5321,63 Punkte ab. Der britische Leitindex FTSE 100 verlor 0,21 Prozent auf 7311,22 Zähler.

Unter den Branchen in Europa gab es gegen Mittag nur einen, wenn auch kleinen Gewinner: Die Immobilienwerte konnten sich im Schnitt um 0,06 Prozent verbessern. Unter Druck kam vor allem der Autosektor, im Mittel ging es um fast 2 Prozent abwärts.

Anleger nahmen bei den Autowerten nach dem Aufwärtstrend seit Mitte November Gewinne mit, denn vor dem Wochenende mehrten sich im Sektor die schlechten Nachrichten: So stuften die Analysten der Citigroup die PSA -Papiere ab und begründeten dies mit der Opel-Sanierung, die aus ihrer Sicht teurer und komplizierter werden dürfte als gedacht. Öl ins Feuer goss Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Center der Universität Duisburg-Essen. Er rechnet für das kommende Frühjahr mit einem Markteinbruch, da die derzeitigen Rabattprämien der Hersteller dann ausliefen.

Größter Verlierer unter den Autowerten im EuroStoxx 50 waren Daimler -Aktien mit rund eineinhalb Prozent Minus. PSA-Anteilsscheine trudelten nach der Abstufung um mehr als 2 Prozent abwärts. Fiat-Aktien verloren mit gut dreieinhalb Prozent am deutlichsten.

Unter den Pharmawerten stachen Sanofi -Papiere mit einem Kursverlust von knapp 2 Prozent nach einem skeptischen Analystenkommentar durch Morgan Stanley hervor. Die Experten votieren nun für einen Verkauf der Papiere des Pharmakonzerns und verwiesen unter anderem auf Risiken im Diabetes-Geschäft. Die Aktie des dänischen Insulin-Produzenten Novo Nordisk verteuerte sich hingegen um mehr als 1 Prozent. Morgan Stanley sprach nun seinerseits eine frische Kaufempfehlung für die Papiere aus.

Auch der jüngste Ausverkauf weltweite im Technologiesektor erwischte in Eruopa noch einige Werte. ASML -Anteile etwa verloren den fünften Tag infolge und gaben zuletzt am EuroStoxx-50-Ende um knapp 2 Prozent nach. Binnen kurzer Zeit wurden damit die Gewinne der vergangenen Wochen ausradiert - die Papiere des Chipausrüsters kosten nunmehr so viel wie Mitte Oktober.

In London erwischte es die Aktien des Rüstungskonzerns Babcock International: Sie gaben um drei Prozent nach - ausschlaggebend waren auch hier die Experten von Morgan Stanley. Sie hatten ihre Kaufempfehlung zurückgezogen.