Aktien Europa: Leichte Verluste - abwartende Haltung

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Europas Börsen haben am Dienstag wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Mäßige US-Vorgaben und die anstehende Sitzung der Europäischen Notenbank (EZB) bremsten die Kauflaune. Am späten Vormittag gab der EuroStoxx 50 <EU0009658145> um 0,27 Prozent auf 3501,84 Zähler nach. Der französische Cac 40 <FR0003500008> verlor mit 0,27 Prozent auf 6075,41 Punkte ebenso stark, während der britische FTSE 100 <GB0001383545> um 0,15 Prozent auf 7212,59 Punkte nachgab.

Vor der Sitzung der EZB kursierten Zinssorgen. Nachdem die europäischen Währungshüter sich lange zurückgehalten haben, könnte es nun zu einem stärkeren Zinsschritt kommen. In der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es laut informierten Kreisen Überlegungen zu einer stärkeren Zinsanhebung. Anstatt wie bisher signalisiert, die Leitzinsen am Donnerstag erstmals seit elf Jahren um 0,25 Prozentpunkte anzuheben, könnte man sich auch zu einer stärkeren Anhebung um 0,5 Punkte entschließen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf informierte Personen. Hintergrund sei die hohe Inflation.

Wie groß der Druck ist, belegten neue Daten. Die Inflation in der Eurozone hatte sich im Juni weiter beschleunigt und abermals einen Rekordwert erreicht. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten sich die Verbraucherpreise um 8,6 Prozent. Im Vormonat waren die Lebenshaltungskosten um 8,1 Prozent gestiegen.

Auch sonst dominieren die Risiken. "So bangt man in Italien vor dem

Aus für Mario Draghi als Regierungschef und Neuwahlen. Wer dann eine zukünftige Regierung bilden könnte, ist völlig unklar", fügten die Volkswirte der Helaba hinzu. Hinzu komme das 'Gasthema'. "Zwar haben die Preise in der letzten Woche nachgegeben, sie liegen aber noch immer

gut hundert Prozent über dem Niveau der ersten Junihälfte."

In diesem Umfeld hielten sich die Marktteilnehmer an defensive Sektoren wie Pharma und Versorger. Letztere erhielten Rückwind von Nachrichten zu EDF <FR0010242511>. Die seit einer Woche vom Handel ausgesetzten Aktien des französischen Energiekonzerns schnellten am Dienstag um 15 Prozent nach oben. Der französische Staat will den hochverschuldeten Versorger, an dem er bereits 84 Prozent der Anteile hält, komplett verstaatlichen und bietet zwölf Euro je Aktie. Laut dem französischen Wirtschaftsministerium entspricht dies einem Transaktionsvolumen von 9,7 Milliarden Euro.

In der Gewinnzone verharrten auch die Bankwerte. Die Aussicht auf steigende Zinsen im Euroraum stützte den Sektor. Eine Ausnahme bildeten Aktien der UBS <CH0244767585>. Barclays hatte den Wert von "Equal Weight" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel von 18 auf 15 Franken gesenkt. Das Vermögensmanagement der schweizerischen Kreditinstitute dürfte auf absehbare Zeit enttäuschen, schrieb Analyst Amit Goel. UBS gaben um 1,1 Prozent nach.

Am unteren Ende des Feldes bewegten sich die Technologiewerte. Die Schwäche der Nasdaq in der zweiten Halbzeit des Handels am Montag belastete. Zudem hatte Bernstein das Ziel für ASML <NL0010273215> deutlich von 565 auf 466 Euro gesenkt. Das Schwergewicht im Sektor der Technologiewerte sank um 1,6 Prozent.

Unter den Einzelwerten fielen die Aktien des Warenprüf- und Inspektionskonzern SGS auf. Der Schweizer Standardwert fiel um 3,9 Prozent. Mit dem am Morgen vorgelegten Halbjahresergebnis hatte das Unternehmen die Erwartungen lediglich hinsichtlich des Umsatzes erfüllt, mit dem operativen Ergebnis und dem Reingewinn jedoch verfehlt. Außerdem formulierte das Unternehmen die Prognose für die operative Marge im Gesamtjahr etwas vorsichtiger als noch im Januar.

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