Aktien Europa: Kurse treten auf der Stelle - Burberry und Vestas brechen ein

dpa-AFX

PARIS/LONDON/MADRID (dpa-AFX) - Die Hängepartie auf hohem Kursniveau an Europas Börsen hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab gegen Mittag um 0,15 Prozent auf 3649,61 Punkte leicht nach. Das Börsenbarometer war zuvor bereits vier Tage in Folge leicht zurückgegangen. In einer an Konjunkturdaten eher armen Woche und mit dem näher rückenden Ende der Saison der Quartalsberichte fehlten die Impulse, sagten Händler.

Milan Cutkovic vom Broker Axitrader sah die Börsen im Griff der US-Politik: "Da sich die Steuerreform weiter verzögert, werden die Investoren langsam etwas nervös", schrieb der Analyst in einem Marktkommentar. Sollte es nicht bald Fortschritte geben, drohe die Stimmung auf dem Börsenparkett zu kippen. "Nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Monate steigt mit jedem Tag, ohne dass die Trump-Administration liefert, das Risiko von Gewinnmitnahmen und einer größeren Korrektur", warnte Cutkovic.

Der französische CAC-40-Index stand am Donnerstag 0,12 Prozent tiefer bei 5464,62 Punkten. Für den britischen FTSE 100 ging es um 0,08 Prozent auf 7523,42 Zähler ebenfalls leicht nach unten.

Während die großen Aktienindizes auf der Stelle traten, sorgten Quartalszahlen und Ausblicke von Unternehmen für teils heftige Kursausschläge. So brachen die Papiere von Burberry in London um fast 10 Prozent ein. Strategische Aussagen des Herstellers kostspieliger Kleidung und Parfums kamen am Markt denkbar schlecht an. Die vom Vorstandschef Marco Gobbetti angekündigte Auffrischung der Marke Burberry dürfte Analysten zufolge viel Geld kosten und folglich an den Margen und Gewinnen zehren.

Aktien des Pharmariesen Astrazeneca stiegen dagegen um 1,78 Prozent, nachdem dieser erstmals seit sechs Quartalen den Umsatz wieder gesteigert hatte. Der britisch-schwedische Konzern profitierte von der im Sommer gegründeten Kooperation mit dem US-Konzern Merck & Co .

Beim britischen Einzelhändler Sainsbury ist im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres der Gewinn zurückgegangen. Die Aktien gaben daraufhin um 2,27 Prozent nach. Vorstandschef Mike Coup warnte vor einem Brexit, welcher die Geschäfte im Handel noch mehr erschweren dürfte. Beim britischen Stromnetzbetreiber National Grid sackte der Gewinn in den Monaten April bis September noch deutlicher ab. Die Aktien büßten 1,62 Prozent ein.

An der Kopenhagener Börse brachen die Aktien des Herstellers von Windkraftanlagen Vestas Wind um mehr als 20 Prozent auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr ein. Der Gewinn im dritten Quartal unterbot die Erwartungen deutlich. Ein zunehmender Wettbewerb drückt auf die Preise für Windturbinen. Gleichzeitig sinken auf vielen Märkten die Preise für mit Wind erzeugten Strom - was die Anlagen unattraktiver macht.

Der französische Energieversorger Engie hat ein durchwachsenes Dreivierteljahr hinter sich gebracht. Der Umsatz stieg leicht, der operative Gewinn ging jedoch zurück. Der Kurs der Aktie legte in Paris gleichwohl um 1,08 Prozent zu. Die Investmenthäuser JPMorgan und Kepler Cheuvreux erhöhten die Kursziele für die Papiere.

Die Kurse des italienischen Versicherers Generali und des schweizerischen Konkurrenten Zurich Insurance bewegten sich am Donnerstag nach Geschäftszahlen kaum von der Stelle.