Aktien Europa: Eurostoxx legt wieder zu - Warten auf Draghi

dpa-AFX

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag mehrheitlich wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Nach dem tags zuvor im späten Geschäft erlittenen Kursrutsch erholte sich der Eurostoxx 50 zur Mittagszeit um 0,25 Prozent auf 3652,26 Punkte, während es für den französischen Cac 40 in Paris sogar um 0,38 Prozent auf 5516,24 Zähler aufwärts ging. Der Londoner FTSE 100 legte außerdem knapp um 0,12 Prozent auf 7652,55 Punkte zu.

Unter den bedeutenden Länderindizes zeigte sich in diesem Umfeld einzig der deutsche Dax als Verlierer. Er konnte aber immerhin einen Großteil seiner frühen Verluste aufholen, zumal sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen zum Jahresauftakt überraschend verbessert hat. Das vom Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima hat im Januar mit 117,6 Zählern wieder das Rekordniveau vom vergangenen November erreicht.

Gespannt warten die Anleger nun auf den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Nachmittag. Weil kein konkreter Zinsschritt erwartet wird, dürften vor allem die Aussagen von Präsident Mario Draghi zum künftigen Zinskurs im Mittelpunkt stehen. Mit Spannung wird auch darauf gewartet, ob er sich zur jüngsten Euro-Stärke äußern wird. Spekulationen auf eine perspektivisch weniger lockere Geldpolitik haben die Gemeinschaftswährung auf ihren höchsten Stand seit drei Jahren getrieben.

Einmal mehr beschäftige die Anleger auch die laufende Berichtssaison, die dem breiten Markt aber kein Kurstreiber war. Die Aktien von STMicroelectronics haben am Donnerstag nach starken Zahlen und einem frühen Kurssprung um bis zu 5 Prozent auf Berg- und Talfahrt begaben. Anzeichen für eine schwächere Smartphone-Nachfrage und negative Vorgaben aus den USA drückten die Papiere dann zeitweise in die Verlustzone. Zuletzt standen sie aber wieder mit 0,8 Prozent im Plus.

Gut erging es auch den Papieren von Diageo und Sky, die in London jeweils etwa 0,8 Prozent höher gehandelt wurden. Der Spirituosenkonzern übertraf laut der JPMorgan-Expertin Komal Dhillon im ersten Geschäftshalbjahr mit seinem organischen Wachstum die Erwartungen. Bei dem Medienkonzern war von einem anständigen ersten Halbjahr die Rede. Polo Tang von der UBS verwies hier als positive Überraschung auf die Dividende.

Für noch größere Kursbewegungen sorgten im Londoner FTSE 100 aber Analystenstimmen. Spitzenreiter im britischen Auswahlindex waren die Aktien von Smith & Nephew. Sie machten einen Satz nach oben um mehr als 4 Prozent, nachdem JPMorgan-Experte David Adlington bei den Papieren des Medizintechnikkonzerns von einem vielversprechenden Einstiegszeitpunkt sprach.

Die Papiere der britischen Bank Standard Chartered wiederum profitierten mit fast 2 Prozent Plus davon, dass sie von den Goldman-Sachs-Experten auf die "Conviction Buy List" gesetzt wurden. Laut Analyst Martin Leitgeb gibt es dafür drei gute Gründe: Einen nach wie vor historisch großen Abschlag zum Konkurrenten HSBC, langfristiges Dividendenpotenzial sowie das Zinsumfeld in den USA.

In Zürich litten Clariant kräftig unter dem überraschenden Ausstieg eines aktivistischen Großaktionärs. Nach starkem Lauf im vergangenen Jahr nahmen Anleger hier in Scharen ihre Gewinne mit, wie ein Kursrutsch um mehr als 8 Prozent zeigt. Zuvor war bekannt geworden, dass sich die Aktionärsgruppe White Tale von ihrem knapp 25-prozentigen Paket getrennt hat.