Aktien Europa: Eurostoxx auf Erholungskurs - LVMH treibt Börse in Frankreich

dpa-AFX

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die europäischen Aktienmärkte starten zu Wochenschluss einen neuen Erholungsversuch. Nach zuletzt zwei schwachen Handelstagen kletterte der EuroStoxx 50 zur Mittagszeit um 0,48 Prozent auf 3647,62 Punkte. Er profitierte davon, dass der Euro am Freitag zwar auf hohem Niveau blieb, aber deutlich unter dem am Vortag erreichten Dreijahreshoch von über 1,25 US-Dollar lag.

An der vergangenen Handelstagen hatte die Gemeinschaftswährung immer neue Hochs erklommen und so den Leitindex unter Druck gesetzt, weil dies die Exportchancen hiesiger Unternehmen in Mitleidenschaft zieht. Dank eines soliden Wochenauftakts, der dem Eurostoxx am Dienstag bei 3687 Punkten den zwischenzeitlich höchsten Stand seit November beschert hatte, steuert das Kursbarometer aber auf ein fast ausgeglichenes Wochenergebnis zu.

Die Erholung könnte im Tagesverlauf aber nochmals auf die Probe gestellt werden, wenn US-Präsident Donald Trump um 14 Uhr seinen Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat. Außerdem folgen noch frische Wirtschaftsdaten aus den USA, die die Devisen- und Aktienmärkte nochmals beeinflussen könnten.

Auch an den wichtigsten Länderbörsen ging es am Freitag nach oben: Gestützt auf starke Zahlen des Luxusgüterkonzerns LVMH stieg der französische CAC 40 in Paris überdurchschnittlich stark um 0,88 Prozent auf 5529,36 Zähler. Für den Londoner FTSE 100 ging es außerdem um knapp ein halbes Prozent auf 7651,70 Punkte nach oben.

Die Jahreszahlen von LVMH wurden am Freitag von den Anlegern mit einem Kurssprung um 5 Prozent gefeiert. Analyst Loïc Morvan vom Analysehaus Bryan Garnier sprach von "starken Resultaten" und einem vorsichtig optimistischen Ausblick des Luxusgüterkonzerns auf das Jahr 2018. Die guten Nachrichten sorgten auch bei anderen Branchenwerten für Rückenwind: Aktien des französischen Konkurrenten Kering etwa rückten in Paris um 3,5 Prozent auf Rekordniveau vor.

Bei Givaudan dagegen sorgten starke Jahreszahlen unter den Anlegern nicht für große Freude: die Papiere büßten zuletzt in Zürich 3,7 Prozent ein. Verstimmt reagierten Anleger darauf, dass der Hersteller von Aromen und Duftstoffen für 2018 mit Gegenwind bei den Rohstoffkosten rechnet. Zudem erhoffte man sich mehr von der erhöhten Dividende, deren Wachstum laut Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research "im ersten Gang" verbleibt.

Ansonsten bewegten noch einige Analystenstimmen merklich die Kurse. Aktien von Michelin gehörten in Paris mit 1,7 Prozent zu den großen Gewinnern, nachdem die Experten von Merrill Lynch den Papieren eine Kaufempfehlung aussprachen. Sie begründeten dies unter anderem mit einer vorteilhaft erwarteten Preisentwicklung bei Rohstoffen, den Auswirkungen der US-Steuerreform und einer attraktiven Bewertung.

In London gehörten National Grid mit einem Aufschlag von 1 Prozent zu den Gewinnern im "Footsie". Sie profitierten davon, dass Goldman Sachs zuvor seine bisherige Verkaufsempfehlung für die Papiere des britischen Energienetzbetreibers aufgab. Spitzenreiter waren dort aber die Aktien von Just Eat mit einem Aufschlag von mehr als 2 Prozent. Die RBC-Experten hatten den Essenslieferdienst in einer Studie zu den aussichtsreichen Kandidaten für eine Fusion mit dem Wettbewerber Takeaway.com bezeichnet.

Im Stahlsektor war die Stimmung derweil eher bedrückt. Grund dafür war ein enttäuschendes viertes Quartal des schwedischen SSAB-Konzerns, dessen Papiere in Stockholm um mehr als 3 Prozent absackten. Aktien wie Salzgitter oder Voestalpine gehörten daraufhin in Frankfurt und Wien mit mehr als 1 Prozent zu den Verlierern.