Aktien Europa: Euphorie nach starkem Wochenstart verflogen

dpa-AFX

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Europas Aktienmärkte machen nach einem vielversprechenden Start in die Woche am Dienstag etwas langsamer. Trotz eines leicht schwächeren und somit exportfördernden Euro sowie freundlichen Stimmungswerten gab der EuroStoxx 50 gegen Mittag um 0,53 Prozent auf 3557,17 Punkte nach.

Noch deutlicher ging es für den französischen Cac-40 nach unten. Der Leitindex lag zuletzt mit 5356,63 Punkten bei 0,61 Prozent im Minus. Anders sah es hingegen beim britischen FTSE 100 aus, der zuletzt auf ein Plus von 0,35 Prozent bei 7343,25 Zählern kletterte.

Entgegen allgemeiner Erwartungen waren Großbritanniens Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Montagabend zu keinem Ergebnis bei den Brexit-Verhandlungen gekommen. Hauptstreitpunkt war diesmal die Frage, wie Grenzkontrollen zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland vermieden werden können.

Wenngleich sich anfangs ein wenig Enttäuschung in Großbritannien breitgemacht habe, zeige der optimistische Tenor der Mitteilung, dass es durchaus noch zu einer Einigung kommen könnte, schrieb CMC-Markets-Analyst Michael Hewson. Zugleich begründete sein Kollege David Madden die positive "Footsie"-Reaktion auf die Verzögerung mit dem daraufhin fallenden Pfund. "Der britische Leitindex umfasst einen hohen Anteil an internationalen Unternehmen, die für Investoren bei einem schwachen Pfund attraktiver werden", so der Experte.

Generell hat sich die Stimmung britischer Dienstleistungsunternehmen im November aber trotzdem überraschend deutlich verschlechtert. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex fiel um knapp 2 Punkte auf rund 54 Zähler, wie das Forschungsinstitut IHS Markit am Dienstag in London mitteilte. Volkswirte hatten mit einem geringeren Rückgang gerechnet.

Im gesamten Euroraum hat sich die Stimmung im November demgegenüber wiederholt verbessert. Für die Gesamtwirtschaft erhöhte sich der Index hier wie erwartet um 1,5 Punkte auf 57,5 Zähler. Der aktuelle Wert ist der höchste seit rund sechseinhalb Jahren - Markit-Chefökonom Chris Williamson sprach von einem "fulminanten Jahresausklang".

Der mit Abstand stärkste Sektor im Stoxx Europe 600 war am Dienstag die Immobilienbranche, die auf ein Plus von 0,65 Prozent kam. Schlusslicht waren die Rohstoffkonzerne wie Metall- oder Bergbauunternehmen, bei denen zuletzt ein Minus von 1,72 Prozent stand.

Unternehmensseitig geriet der Schweizer Pharmakonzern Novartis in den Blick, der vom Analysehaus Liberum in seiner Einstufung von "Buy" auf "Hold" gesenkt wurde. Die guten Aussichten seien in der Bewertung mittlerweile mit eingepreist, schrieb Analyst Graham Doyle in einer Studie vom Dienstag. Die Aktie verlor bis zum Mittag 1,46 Prozent.

Auch für den britischen Konkurrenten Astrazeneca ging es zuletzt um 1,13 Prozent nach unten. Hier hatte die Deutsche Bank das Kursziel allerdings wegen guter Studiendaten von 5600 auf 5700 Pence angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen.