Aktien Europa: Deutliche Gewinne dank anhaltender Hoffnung auf China-Öffnung

PARIS/LONDON (dpa-AFX) -Europas Börsen haben nach einer Schwächephase am Freitag wieder den Weg nach oben gefunden. Als Kursstütze erwiesen sich die anhaltenden Spekulationen auf eine Lockerung der chinesischen Null-Covid-Politik. Gleichzeitig warten die Anleger allerdings gespannt auf den am Nachmittag anstehenden monatlichen US-Arbeitsmarktbericht, der großen Einfluss auf die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed hat.

Der EuroStoxx 50 EU0009658145 baute nach einem freundlichen Start seine Gewinne aus und notierte um die Mittagszeit 1,82 Prozent höher bei 3658,66 Punkten. Damit beendete der Leitindex der Eurozone eine zweitägige Durststrecke und knüpfte an seinen vorangegangenen Aufwärtstrend an. Er steuert auf ein Wochenplus von 1,3 Prozent zu. Vom Jahrestief (3249) Ende September steht bereits eine Erholung um knapp 13 Prozent zu Buche, wobei die bisherige Jahresbilanz immer noch ein sattes Minus von fast 15 Prozent ausweist.

Der französische Cac 40 FR0003500008 präsentierte sich am Freitag mit einem Anstieg um 2,12 Prozent auf 6375,91 Punkte ebenfalls stark. Für den britischen FTSE 100 GB0001383545 ging es um 1,24 Prozent auf 7277,90 Zähler hoch.

Im Branchenvergleich gab es vor dem Wochenende nur Gewinner. Der Index der Rohstoffunternehmen EU0009658624 führte mit einem Plus von 5,4 Prozent die Gewinnerliste im marktbreiten Stoxx Europe 600 EU0009658202 an, gefolgt von den Indizes der ebenfalls konjunktursensiblen Chemie- EU0009658608 und Autounternehmen EU0009658681. Die Stimmung für die Automobilbranche wurde auch etwas von Pirelli IT0000072725 gestützt. Die Anteilsscheine des Reifenherstellers zogen dank angehobener Jahresziele um über sechs Prozent an. Davon profitierten auch die Aktienkurse der Branchenkollegen Continental DE0005439004 und Michelin FR0000121261.

Die Aktionäre der Societe Generale FR0000130809 konnten sich über ein Kursplus von 5,3 Prozent freuen, da die französische Großbank trotz eines rückläufigen Quartalsgewinns die Erwartungen übertroffen hatte. Die Titel belegten damit einen der vorderen Plätze im Cac 40.

Beim Buchungssystem-Anbieter Amadeus IT ES0109067019 reichte es nach der Zahlenvorlage immerhin für einen Kursanstieg von 1,4 Prozent. Das Unternehmen profitierte von der Erholung des Flugverkehrs von der Corona-Pandemie.

Die Spekulationen auf eine Öffnung in China gaben vor allem der Internet-Holding Prosus NL0013654783, die über ihre Beteiligung am Internetkonzerns Tencent KYG875721220 stark in China engagiert ist, sowie Stahlkonzernen und den Herstellern von Luxusgütern Auftrieb. Prosus-Aktien gewannen an der EuroStoxx-Spitze siebeneinhalb Prozent, und in Amsterdam stiegen die Titel des weltgrößten Stahlherstellers ArcelorMittal LU1598757687 um gut sechs Prozent

Kering FR0000121485 zählte mit knapp fünf Prozent Plus zu den größten Gewinnern im Eurozonen-Leitindex, nachdem das "Wall Steet Journal" über fortgeschrittene Gespräche zur Übernahme des Luxus-Modehauses Tom Ford berichtet hatte. Eine solche Übernahme, deren Wert der Bericht auf mindestens drei Milliarden US-Dollar beziffere, wäre positiv für Kering, auch wenn sie auf den Konzern insgesamt keinen großen Einfluss hätte, kommentierte Analystin Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC. Bisher gebe es aber noch keine Bestätigung dieses Berichts.

Ansonsten ging es im Eurozonen-Leitindex für Hermes FR0000052292 und LVMH FR0000121014 um jeweils über dreieinhalb Prozent hoch. An der Spitze des Swiss Market Index verteuerten sich Richemont CH0210483332 um 5,3 Prozent.

Am Ende des europäischen Branchentableaus landeten derweil mit nur moderaten Gewinnen die Indizes der Versorger EU0009658962 und der Medienunternehmen EU0009658640. Erstere gelten als defensiv und sind tendenziell eher in einem schwachen Marktumfeld gefragt. Dazu belasteten negativ aufgenommene Aussagen von Enel IT0003128367. Die Aktien verloren rund ein Prozent, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, dass der bereinigte Überschuss im laufenden Jahr niedriger ausfallen werde als bisher gedacht.