Aktien Europa: Anleger warten auf Fed und Biden

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Den Europabörsen hat es am Mittwoch vor dem später erwarteten US-Zinsentscheid weiter an Schwung gefehlt. Der EuroStoxx bewegte sich am Vormittag im engen Rahmen um seinen Schlusskurs vom Vortag, er verteidigte aber stets die Marke von 4000 Punkten. Zuletzt lag er leicht mit 0,06 Prozent im Plus bei 4014,32 Zählern. Zahlreiche Quartalsberichte konnten dem Leitindex der Eurozone auch nicht eindeutig ihren Stempel aufdrücken.

Recht wenig Bewegung gab es auch an den wichtigsten Länderbörsen, wenngleich die Vorzeichen unterschiedlich ausfielen. Der französische Cac 40 <FR0003500008> zum Beispiel legte um 0,40 Prozent auf 6299,05 Zähler zu, während der Londoner FTSE 100 <GB0001383545> 0,23 Prozent auf 6961,21 Punkte gewann. In Mailand und Madrid dagegen standen die Leitindizes jeweils moderat im Minus.

Anleger blicken gespannt darauf, welche geldpolitische Perspektive die US-Notenbank Fed am Abend im Rahmen ihres Zinsentscheids aufzeigt, auch hinsichtlich ihrer Inflationserwartungen. Laut dem Marktbeobachter Jim Reid von der Deutschen Bank gibt es nach der Fed in der Nacht aber noch ein zweites Highlight mit einem Auftritt von Joe Biden vor dem Kongress. Der US-Präsident ist mittlerweile 100 Tage im Amt.

Auf Unternehmensseite sorgte die Berichtssaison kursmäßig für Licht und Schatten. Dies zeigte sich am Vorabend auch bereits in den Resultaten der US-Technologiegiganten Microsoft <US5949181045> und Alphabet <US02079K3059>. Bei schon hohen Ansprüchen reichten übertroffene Umsatz- und Gewinnerwartungen nicht mehr, sagte Marktbeobachter Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Da sei wie im Falle von Alphabet schon ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm nötig, um die Kurse weiter anzutreiben.

Hierzulande hat die Berichtssaison auch längst Fahrt aufgenommen. Am Mittwoch stand vor allem der Bankensektor mit starken Zahlen der Deutschen Bank oder Lloyds <GB0008706128> im Fokus. Kursgewinne von 7,6 und 4,2 Prozent bei diesen beiden Aktien drückten der Branche positiv ihren Stempel auf. Mit der Danske Bank, deren Papiere in Kopenhagen um 2,3 Prozent absackten, gab es nach Zahlen aber auch einen negativen Branchenkandidaten.

Unter die großen EuroStoxx-Gewinner mischten sich die 1,8 Prozent höheren Aktien von Sanofi <FR0000120578>. Peter Welford vom Analysehaus Jefferies lobte bei dem Pharmakonzern vor allem den im ersten Quartal erzielten Gewinn je Aktie als klar über den Markterwartungen. Gute Geschäfte mit einer Neurodermitis-Arznei und Grippe-Impfungen galten hier zu Jahresbeginn als wichtige Antreiber.

In London zogen unter anderem der Werbekonzern WPP, die Supermarktkette Sainsbury und der Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser mit Zahlen das Interesse auf sich. Bei WPP <JE00B8KF9B49> fielen die Nettoerlöse im Auftaktquartal laut dem Barclays-Experten Julien Roch deutlich höher als erwartet aus, die Aktie stieg um 3,6 Prozent. Dies sorgte für Erleichterung, am Markt wurde es als Signal einer Erholung am Werbemarkt angesehen.

Bei Sainsbury <GB00B019KW72> und Reckitt Benckiser <GB00B24CGK77> sackten die Kurse dagegen um 2,2 respektive 1,4 Prozent ab. Bei ersterer Aktie wurde als Belastung auf einen rückläufigen Vorsteuergewinn verwiesen, Bei letzterer war das Feedback auf die Zahlen von Börsianern eigentlich positiv. Nach gutem Kursverlauf bis vor einer Woche ging es aber wie in den vergangenen Tagen weiter abwärts.