Aktien Europa: Alle Augen sind auf Spanien gerichtet

dpa-AFX

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Von vorweihnachtlicher Ruhe kann an diesem Freitag in Europa nur zum Teil die Rede sein. Während die Händler in Großbritannien etwa schon um 13:30 Uhr ihre Bücher zuklappen, geht es am spanischen Aktienmarkt nach den vorgezogenen Neuwahlen in Katalonien nochmal richtig zur Sache. Der Ibex 35 verlor nach einem überraschend klaren Sieg der Separatisten zuletzt 0,92 Prozent und wurde dabei vor allem von den Bankenwerten nach unten gerissen.

So gehörte die Banco Santander mit einem Minus von zuletzt 1,70 Prozent zu den schlechtesten Werten im spanischen Leitindex, genauso wie die Großbank La Caixa, die zuletzt 3,52 Prozent verlor und damit Schlusslicht im Ibex war. Auf dem vorletzten Platz landete Caixas Konkurrent Banco Sabadell, die um 2,80 Prozent nachgab. Überhaupt war die Bankenbranche unter dem Strich der mit Abstand schwächste Sektor in ganz Europa.

Mit dem Wahlergebnis hat sich die Hoffnung von Spaniens Regierung zerschlagen, durch die Wahlen den Separatisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, wie Hans-Peter Kuhlmann von der Landesbank Baden-Württemberg schrieb. Er ist sich sicher: "Die politische Unsicherheit in Spanien dürfte wieder deutlich ansteigen." ETX-Capital-Analyst Neil Wilson schätzt zwar, dass eine tatsächliche Unabhängigkeit derzeit eher unwahrscheinlich ist. Dennoch: "Die Investoren gehen dem Risiko klugerweise gerade aus dem Weg."

Auch generell ist die Stimmung in Europa am letzten Handelstag vor Weihnachten nicht gerade festlich. Der EuroStoxx 50 stand zuletzt mit 3558,32 Punkten 0,35 Prozent im Minus und in Frankreich knickte der CAC 40 leicht um 0,27 Prozent ein. Freundlicher ging es hingegen in Großbritannien zu, wo der FTSE 100 um 0,26 Prozent zulegte. Erst am Donnerstag hatte es der "Footsie" dank starker Bergbau- Öl- und Gaswerte auf ein neues Rekordhoch bei knapp unter 7610 Punkten gebracht.

Aus der volkswirtschaftlichen Ecke sind für diesen Tag keine marktbewegenden Daten zu erwarten. Unternehmensseitig gab es eine frohe Botschaft vom Schweizer Lebensmittel-Konzern Nestlé , der sein US-Süßwarengeschäft laut einem Pressebericht voraussichtlich an den italienischen Ferrero-Konzern verkaufen wird. Der Nutella-Macher zahlt demnach bis zu 2 Milliarden US-Dollar. Erst am Vortag hatte Bloomberg über den Plan von Nestlé geschrieben, sich von der Sparte trennen zu wollen. Man rechne mit einem Abschluss der Transaktion im ersten Quartal 2018, sagte eine Konzernsprecherin. Die Aktie legte zuletzt um 0,66 Prozent zu.

Ebenfalls aus der Schweiz wurde noch die Übernahme des US-Onkologieunternehmens Ignyta durch Roche bekanntgegeben. Der Pharmakonzern legt für das im Nasdaq gelistete Unternehmen insgesamt 1,7 Milliarden US-Dollar auf den Tisch. Im Vergleich zum Ignyta-Schlusskurs vom Vortag entspricht das einem Aufschlag von 74 Prozent, hieß es. An der Börse reagierten Anleger mäßig verhalten auf diesen Schritt: Die Roche stand bis zuletzt mit 0,16 Prozent im Minus.

Trotz eines ersten Warnstreiks der Piloten beim irischen Billigflieger Ryanair verlief der Flugbetrieb in Frankfurt und Berlin Schönefeld in einigermaßen geregelten Bahnen. Komplette Flug-Stornierungen habe es nach Angaben des Unternehmens bislang nicht gegeben und soll es auch nicht geben - allerdings kam es bei 9 von 36 Morgenflügen zu Verspätungen. Die Aktie bewegte sich gegen Mittag mit 2,38 Prozent im Plus.