Aktien von Biontech und Curevac fallen und steigen rasant: Das halten Experten vom Kauf der Impfstoff-Aktien

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Biontech-Gründer Uğur Şahin
Biontech-Gründer Uğur Şahin

Als die Nachricht durchsickerte, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einem vertraulichen Treffen sagte, dass die Zulassung des Corona-Impfstoffes Curevac länger dauere und man damit „nicht vor August“ rechnen könnte, konnten das auch die Anleger in ihrem Depot spüren: Die Aktie fiel, verlor zwölf Prozent, dümpelt seitdem bei einem Wert von rund 88 Euro. Für Investoren der ersten Stunde dennoch ein guter Deal, denn der erste Aktienkurs nach ihrem Börsengang im August 2020 lag bei umgerechnet 36 Euro.

Doch zwischendurch gab es immer wieder kleinere Einbrüche. Schaut ihr euch den Aktienchart der vergangenen sechs Monate an, so seht ihr einen Zickzack-Kurs, der eher einer Berglandschaft ähnelt als einer geraden Linie nach oben.

Der Aktienverlauf von Curevac in den vergangenen sechs Monaten
Der Aktienverlauf von Curevac in den vergangenen sechs Monaten

Was das zeigt: Viele Meldungen rund um die Impfstoffhersteller sorgen für Schwankungen bei den Aktien. Das sagt auch Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff, der das Equity Research Team im Bereich Healthcare & Chemicals leitet.

Es gibt „keine fundamentale Begründung“ für einen Fall der Biontech-Aktie

Als Grund für die Schwankungen nennt Wendorff im Gespräch mit Business Insider das noch „recht junge“ Alter der Firmen, die aktuell „noch nicht sehr breite Produktpaletten“ aufweisen. „Dementsprechend war die Volatilität bisher hoch und könnte durchaus hoch bleiben, weil man von vielen positiven beziehungsweise negativen Nachrichten über recht wenige Produkte beeinflusst wird“, sagt der Analyst.

Vor allem bei Curevac, welches noch keinen zugelassenen Impfstoff hat, sei es schwierig, eine fundierte Vorhersage treffen zu können. Wenn die Zulassung komme, könnte eine Kurssteigerung aber erwartet werden, so Wendorff - gemessen daran, wie die Entwicklung bei anderen Impfstoffherstellern war.

Für Biontech spricht der Börsenexperte aktuell eine „absolute Kaufempfehlung“ aus. Auch der vorgestrige Kursfall von Biontech, bei dem die Aktie um rund 13 Prozent gefallen ist, sieht für den Commerzbank-Analysten nur nach einer technischen Gegenreaktion aus. Von einer technischen Reaktion spricht man, wenn Aktienkurse sich kurzfristig gegen den Trend kehren. Wendorff: „Es gibt keine fundamentale Begründung für einen Fall der Aktie. Der steigende Aktienkurs von Biontech ist kein Hype aus unserer Sicht.“

Vor allem die „sehr gute“ Wirksamkeit überzeugt den Analysten von Biontechs Zukunftsaussichten, aber auch die „unglaubliche Datenmenge“, die Israel an den Hersteller übermittelt hat.

Der Aktien-Verlauf von Biontech im vergangenen Monat
Der Aktien-Verlauf von Biontech im vergangenen Monat

Wenn das Virus verschwindet, könnte der Kurs fallen

Für Wendorff sind die deutschen Impfhersteller Biontech und Curevac ganz klar „Zukunftsunternehmen“, da die Corona-Pandemie auch den Durchbruch für die mRNA-Technologie bedeutet. Das Potenzial dieser Impfstoff-Technologie für klassische Infektionskrankheiten sei „recht groß“, sodass sich die Wirksamkeit auch zum Beispiel bei Grippe-Impfstoffen gezeigt werden kann.

Und damit die Pandemie auch nicht zurückkehrt, muss der Impfschutz erhalten bleiben. Heißt: Wenn es künftig jährliche Auffrischungsimpfungen geben muss, ist das für die Unternehmen auch ein sehr lukratives Modell.

Aber es gibt auch Risiken für die Kursentwicklung der Impfstoffhersteller, die beachtet werden sollten: „Wenn die WHO die Pandemie für beendet erklärt, könnte dies eine negative Kursentwicklung für Biontech bedeuten“, sagt Wendorff zu Business Insider. Allerdings gäbe es noch den Unterschied, ob „das Virus verschwunden ist oder die Pandemie beendet ist, weil so viele Menschen in den weiten Teilen der Welt geimpft sind.“ Verschwindet das Virus, könnte es auch zu einem Kursfall kommen.

Ein weiteres Risiko, sei die „sehr junge“ Datenmenge. „Es gibt keine Sicherheitsdaten der letzten fünf Jahre beispielsweise und es ist auch nicht klar, ob es langfristig auftretende Nebenwirkungen geben wird“, sagt der Analyst.

Für langfristigen Gewinn: Neue Technologien müssen woanders eingesetzt werden

Für Wendorff ist klar, wie Biontech und Co. auf lange Zeit für Anleger attraktiv bleiben könnten: „Langfristig wird es bei den Aktien der Impfstoffhersteller darauf ankommen, wer die Technologie, die er durch die Corona-Pandemie entwickelt hat, weiterführt, um andere Krankheiten, wie Krebs oder HIV, zu heilen.“

So sieht es auch Aktien-Experte Christian Röhl, von der unabhängigen Research-Plattform „Dividenden-Adel“: „Wenn auf dieser Basis dann künftig weitere Wirkstoffe entwickelt und vermarktet werden können, kann hier ein komplett neuer Pharmakonzern entstehen. Deshalb ist da langfristig eine immense Kursphantasie in der Aktie“, sagt Röhl zu Business Insider.

Dem stehe das Risiko gegenüber, dass andere Impfstoffe für sinkende Margen sorgen und dass auch der Markt für Auffrischungen sich stärker verteilt – den „Burggraben von Biontech kann man eben schwerlich einschätzen“. Laut dem Börsenexperten sollte man nicht in zu viel Risiko gehen, auch wegen der „immensen Schwankungen“, es sei also „eine Frage der Dosierung im Depot“.

Dass der Markt für Impfstoffe gigantisch ist, zeigt auch eine aktuelle Studie der DZ-Bank. Die dortigen Analysten schreiben, dass die Impfstoffproduktion aus Investorensicht – wenn Corona bleibt – „vom Strohfeuer zum Dauerbrenner“ werden können. Das entsprechende Marktvolumen für die Corona-Impfstoffe, also Anzahl Impfdosen mal Durchschnittspreis, wird von der Bank auf 93 Milliarden US-Dollar geschätzt. 2022 könnten es dann 217 Milliarden US-Dollar Umsatz werden.

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