Aktie von Royal Dutch Shell: Das bereits eingetretene Worst-Case-Szenario

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
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Die Aktie von Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S) hat lange Zeit in meinem Einkommensdepot einen größeren Anteil eingenommen. Inzwischen kann ich es zugeben: Ich war ein wenig geblendet von der starken, zuverlässigen und historisch absolut bemerkenswerten Dividende des britisch-niederländischen Öl- und Erdgasmultis.

Das führt uns wiederum zu einem anderen Betrachtungswinkel. Bei der Aktie von Royal Dutch Shell ist nämlich im letzten Jahr ein Worst-Case-Szenario eingetreten. Wobei es sich hierbei eigentlich um zwei verschiedene Szenarien handelt, die zeitgleich eingetreten sind.

Lass uns daher heute einen Blick darauf riskieren, was das bedeuten könnte. Ein erster Gedanke könnte sein: Wenn der schlimmste Fall bereits eingetreten ist, könnte das Risiko deutlich geringer sein.

Royal Dutch Shell: Das eingetretene Worst-Case-Szenario

Bei Royal Dutch Shell hat es im letzten Jahr 2020 zwei Dinge gegeben, die die Aktie massiv belastet haben. Beide sind der womöglich schlimmste Fall für viele Foolishe Investoren, beide besitzen außerdem eine Menge Gewicht.

Fangen wir vielleicht mit der kosmetischen Maßnahme an: Das Management von Royal Dutch Shell hat im letzten Jahr kurzerhand die eigene Dividende gekürzt. Die Ausschüttungssumme je Aktie ist dabei um ca. zwei Drittel gekürzt worden. Ein Schritt, der zunächst einmal gar nicht so schlimm klingt. Wobei der Kontext berücksichtigt werden sollte.

Der britisch-niederländische Öl- und Erdgaskonzern galt schließlich lange Zeit als besonders defensiver Ausschütter. Die Aktie hat seit dem Jahre 1945 stets eine zumindest konstante Dividende an die Investoren ausgezahlt. Nach ca. siebeneinhalb Jahrzehnten ist diese Historie damit zu einem Endpunkt gekommen. Ein beinahe historisches Ereignis, wenn du mich fragst.

Das ist jedoch nicht alles: Royal Dutch Shell hatte außerdem mit historischen Problemen zu kämpfen. COVID-19-bedingt und aufgrund einer gigantischen Öl-Schwemme ist die Notierung von WTI im letzten Jahr sogar zeitweise negativ gewesen. Ein Marktumfeld, in dem man als Ölkonzern natürlich nicht profitabel wirtschaften kann. Abschreibungen auf Vermögenswerte und Ölprojekte haben den Verlust noch bedeutend weiter ausgebaut.

Wir sehen daher: Die Aktie von Royal Dutch Shell hat im letzten Jahr 2020 zwei Worst-Case-Szenarien hinter sich gebracht und trotzdem überlebt. Aber heißt das, dass die Aktie jetzt besonders sicher ist?

Sicher … oder zerstörte Investitionsthese?

Ganz so einfach sollten Investoren das nicht halten. Mit Blick auf die veränderte Ausgangslage, die gekürzte Dividende, operative Schwierigkeiten und Unsicherheiten im Konzernumbau könnten Investoren jetzt womöglich auch die eigene Investitionsthese hinterfragen. Die Aktie und der Gesamtkonzern sind sich jedenfalls deutlich am Verändern. Oder haben es im letzten Jahr 2020 bereits.

Royal Dutch Shell ist nach dem Worst-Case-Jahr 2020 jedenfalls nicht mehr der Konzern wie früher. Das sollte man als Investor entsprechend würdigen und frei von Emotionen seine Rückschlüsse daraus ziehen.

Der Artikel Aktie von Royal Dutch Shell: Das bereits eingetretene Worst-Case-Szenario ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Vincent besitzt Aktien von Royal Dutch Shell. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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