Börsendebakel für Airbaghersteller Takata wegen drohender Insolvenz

Drei Jahre nach dem Beginn des Skandals um explodierende Airbags von Takata ist der japanische Hersteller nur noch ein Schatten seiner selbst: Die Takata-Aktie ist fast nichts mehr wert, am Donnerstag stürzte sie erneut ab - um 55 Prozent

Drei Jahre nach dem Bekanntwerden des Skandals um explodierende Airbags von Takata ist der japanische Hersteller nur noch ein Schatten seiner selbst: Die Takata-Aktie ist fast nichts mehr wert, eine Firmenpleite steht offenbar unmittelbar bevor. Die Talfahrt an der Börse setzte sich am Donnerstag fort, der Kurs stürzte um 55 Prozent ab auf nur noch 110 Yen (88 Cent).

Ende vergangener Woche war nach mehreren Presseberichten über eine unmittelbar bevorstehende Insolvenz an der Börse in Tokio der Handel mit Takata-Aktien ausgesetzt worden. Seitdem verlor das Papier drei Viertel seines Werts - und 96 Prozent seit dem Beginn des Airbag-Skandals. Der Kursverlust dokumentiert den Niedergang des 1933 gegründeten Unternehmens, das 50.000 Mitarbeiter hat und unter einer Schuldenlast von umgerechnet zehn Milliarden Euro ächzt.

Die japanische Finanzzeitung "Nikkei" berichtete am Nachmittag, das Insolvenzverfahren werde am kommenden Montag in Gang kommen - einen Tag vor der Hauptversammlung von Takata. Andere Medien rechnen schon am Freitag damit. Takata selbst bekräftigte in einer Mitteilung, es sei "derzeit noch nichts entschieden".

Anfang der Woche stufte die japanische Ratingagentur JCR die Bonität von Takata auf "C" herab und erklärte, ein Antrag auf Insolvenz sei "immer wahrscheinlicher". Das Unternehmen sieht sich mit den Kosten weltweiter Rückrufaktionen wegen fehlerhafter Airbags konfrontiert, die zunächst von den Autobauern übernommen wurden. Weltweit mussten rund 100 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen werden, die meisten davon in den USA.

Die Geschäftszahlen konnten sich zunächst weiter sehen lassen, obwohl der Ruf des Unternehmens arg litt. Im Geschäftsjahr 2016/2017 ging der Umsatz dann jedoch um sieben Prozent auf 662,5 Milliarden Yen zurück. Der Ratingagentur JCR zufolge wandten sich die Kunden anderen Firmen zu, während Takata einen Restrukturierungsplan verschleppte.

Im vergangenen Jahr beauftragte die Unternehmensführung externe Experten mit der Suche nach einem Aufkäufer. Doch die Firmengründer, die 60 Prozent des Kapitals halten, schreckten vor dem Gerichtsweg zurück. "Etliche Leute" seien der Meinung, dass das "Drama hätte verhindert werden können, wenn Takata das Problem von Anfang an ernst genommen hätte", hieß es kürzlich in der Zeitung "Nikkei".

Der Zeitung zufolge könnte Takata von Key Safety Systems (KSS) übernommen werden, sobald es Gläubigerschutz beantragt hat und das Insolvenzverfahren eingeleitet ist. Der US-Zulieferer KSS gehört wiederum der chinesischen Firma Ningbo Joyson Electronic - der Name Takata dürfte dann verschwinden.

Die explodierenden Airbags werden mit 16 Todesfällen weltweit in Verbindung gebracht, elf davon in den USA. Die eingebauten Luftkissen von Takata konnten in Sekundenbruchteilen platzen und durch heiße Metallteile Fahrer und Beifahrer verletzen oder töten.

Mitte Januar erzielte Takata mit dem US-Justizministerium einen Vergleich. Die Einigung enthält ein Schuldeingeständnis des Unternehmens, die Airbag-Probleme zwischen den Jahren 2000 und 2015 vertuscht zu haben. Außerdem zahlt Takata eine Milliarde Dollar Strafe in den USA.