AKTIE IM FOKUS: VW könnten Dieselskandal-Kursverluste wettmachen

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aussicht auf endlich wieder profitablere Geschäfte der Kernmarke VW hat die Stimmung der Anleger gegenüber dem Volkswagen-Konzern am Montag weiter aufgehellt. Hinzu kamen lobende Analystenkommentare zu den Ende letzter Woche vorgelegten Geschäftszahlen. Das VW-Pkw-Geschäft - die größte Sorge vieler Investoren - vollziehe eine Trendwende, schrieb Stephen Reitman von der französischen Bank Societe Generale.

Die Volkswagen-Aktien stellten denn auch gegen Montagmittag als Favorit im deutschen Leitindex Dax ihr Januar-Hoch bei 156,55 Euro ein. Zuletzt notierten sie noch bei 156,35 Euro und damit 2,86 Prozent über ihrem Freitagsschluss. Die nächste markante Kursschwelle liegt bei 162,40 Euro - so viel hatten die Aktien vor dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals im September 2015 gekostet.

Die Diesel-Affäre sowie Zweifel, ob der Autobauer sein eigenes Potenzial ausschöpfen kann, haben laut dem SocGen-Analysten Reitman auf den Aktien gelastet. Die 2017 gemachten Fortschritte zeigten aber, dass VW die Probleme wohl in den Griff bekomme. Der Experte lobte die Modelloffensive im VW-Kerngeschäft. Endlich kämen eine Reihe sportlicher Geländewagen (SUV) auf den Markt, die Lücken im Angebot in Europa, China und den USA füllten.

Reitman verwies zudem - ebenso wie Marc Rene Tonn von Warburg Research - auf die gestiegene Ergebnisprognose der Wolfsburger und eine starke Entwicklung des freien Mittelzuflusses (FCF). Beide sehen nun ausreichend Gründe für einen Kauf der Aktien und stuften sie entsprechend jeweils von "Hold" auf "Buy" hoch. Mittelfristig sehen sie in etwa gleich viel Kurspotenzial: Reitman hob sein Ziel auf 188 Euro an und Tonn schraubte seines auf 185 Euro nach oben.

Zum positiven Eindruck, den VW jüngst bei den Anlegern hinterließ, passte am Montag ein optimistischerer Ausblick fürs Kerngeschäft mit wichtigen Modellen wie Golf, Passat und Tiguan. Hier soll die operative Umsatzrendite - also der Anteil des Gewinns vor Zinsen und Steuern am Umsatz - "moderat" über der Spanne von 2,5 bis 3,5 Prozent liegen.

Die Modelloffensive zahle sich aus, und die Neuausrichtung der Marke zeige gute Ergebnisse, sagte VW-Markenchef Herbert Diess. "Wir sind auf einem guten Weg, unsere zentralen strategischen Ziele zu erreichen: Volkswagen wettbewerbsfähig für die Mobilität von morgen aufzustellen."

Mit Blick auf den rasanten Wandel der Autobranche hin zur Elektromobilität sieht SocGen-Analyst Reitman VW denn auch gut aufgestellt. "Der VW-Konzern, zusammen mit den europäischen Wettbewerbern, scheine gut positioniert, um die mittelfristigen Herausforderungen durch den technologischen Wandel zu meisten, während einige der noch jungen Konkurrenten ins Straucheln geraten."