AKTIE IM FOKUS: Thyssenkrupp fallen - Analyst nach Kapitalerhöhung skeptisch

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aktien von Thyssenkrupp haben am Dienstag nach einer Kapitalerhöhung mit minus 0,83 Prozent auf 24,495 Euro zu den schwächsten Werten im Dax gezählt. Zum Handelsstart waren sie allerdings noch bis auf 24,18 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Juni gefallen.

Der Industriekonzern hatte sich nach der Einigung auf eine Fusion mit der europäischen Stahlsparte von Tata Steel rund eine Milliarde Euro am Kapitalmarkt besorgt. Durch die Platzierung fließen dem Unternehmen brutto rund 1,4 Milliarden Euro zu. Der Preis lag bei 24,30 Euro je Stück.

Analysten werteten den Schritt differenziert: Ioannis Masvoulas von der Investmentbank RBC Capital sieht ihn als Möglichkeit, das Investitionsgütergeschäft noch schneller umzustrukturieren.

Experte Cedar Ekblom von der Investmentbank Merrill Lynch dagegen wertet den Kapitalbedarf so kurz angesichts der Lösung für das Stahlgeschäft negativ. Die Essener hätten immer wieder betont, dass ihr Industriebereich stabiler, liquider und qualitativ hochwertiger sei als die Stahlsparte, erklärte er. Deshalb stelle sich die Frage, warum nun zusätzliches Kapital für Investitionen in diesem Segment nötig sei. Ekblom kalkuliert mit einer Gewinnverwässerung von 6 Prozent für 2018 durch die Platzierung.

Vor wenigen Tagen erst hatte Thyssenkrupp einen Durchbruch bei der heiß ersehnten Lösung für das Stahlgeschäft angekündigt: eine Absichtserklärung mit Tata Steel über eine Zusammenlegung der europäischen Stahlgeschäfte. Dabei sollen beide Partner je 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Der endgültige Vertrag soll bis Anfang 2018 ausgearbeitet werden. Es werden jährliche Synergien von 400 bis 600 Millionen Euro angestrebt.

Am Markt war das als wichtiger Schritt beim Umbau des Dax-Konzern gewertet worden, wenngleich sich auch vorsichtige Stimmen zwischen die insgesamt positiven Kommentare gemischt hatte. Ungeachtet der zunächst positiven Kursreaktion sorgte sich etwa Analyst Vladimir Sergievskiy von der britischen Bank Barclays mit Blick auf die geplanten Einsparungen und die Auswirkungen auf den Mittelzufluss. Grundsätzlich müsse sich erst zeigen, ob Thyssenkrupp durch das Gemeinschaftsunternehmen einen Mehrwert schaffen könne, gab er zu bedenken.

Anleger hatten schon länger auf eine Fusion der beiden Stahlgeschäfte gehofft. Sie setzten dabei auf eine geringere Abhängigkeit vom Stahlmarkt, gerade angesichts globaler Überkapazitäten. Seit die "Rheinische Post" Anfang April 2016 über Verhandlungen zwischen Thyssenkrupp und Tata Steel berichtet hatte, haben die Aktien mehr als ein Drittel an Wert gewonnen. Das bedeutet einen Platz unter den Top 10 im Dax, der im gleichen Zeitraum um rund 26 Prozent zulegte.