AKTIE IM FOKUS: Sorgen um Apple lassen Dialog Semiconductor erneut absacken

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Furcht der Dialog-Semiconductor-Anleger vor einem Wegbruch des wichtigen Geschäfts mit Apple hat zu Wochenbeginn neue Nahrung erhalten. Eine vom Chipkonzern Dialog als Beruhigung gedachte Nachricht an die Investoren bewirkte das genaue Gegenteil und schürte am Montag sogar noch die bereits seit Monaten wabernden Ängste vor einem Wegfall des wichtigsten Kunden ab dem Jahr 2019.

So sackten die Dialog-Aktien bis zum Mittag um rund 18 Prozent auf 25,66 Euro ab. Damit notieren sie aktuell auf dem Niveau von Juli 2016.

Bereits am Donnerstag hatten sich die Dialog-Anteilsscheine in Reaktion auf einen Pressebericht um knapp 18 Prozent verbilligt. Die japanische Wirtschafts-Zeitung "Nikkei" hatte geschrieben, dass der Technologiekonzern Apple künftig Chips für das iPhone in Eigenregie herstellen wolle. Mit entsprechenden Spekulationen hatte bereits das Bankhaus Lampe im April für Furore gesorgt und den Aktienkurs um mehr als 14 Prozent in den Keller geschickt.

Am Montag nun ging Dialog in die Offensive und teilte mit, Apple weiter mit Komponenten für dessen Smartphones zu beliefern. Zugleich aber räumte Dialog ein, dass Apple die Ressourcen und die Fähigkeiten habe, diese Chips in wenigen Jahren auch selbst zu entwickeln.

Damit habe Dialog von sich aus die seit langem kursierenden Gerüchte bestätigt, dass Apple ab 2019 eventuell selbst Chips zur Stromsteuerung des iPhones herstellen könne, sagte ein Börsianer. Insofern habe Dialog die Anleger nicht zur Ruhe gebracht, sondern Öl ins Feuer gegossen. Laut dem Experte Frederik Altmann von Alpha Wertpapierhandel steht aktuell die Frage im Raum, ob es Dialog rechtzeitig schafft, sich breiter auszustellen und damit die Abhängigkeit vom Großkunden Apple zu reduzieren.

Analysten sind derweil weiter uneins, ob Apple wirklich die Beziehungen zu Dialog Semiconductor kappen wird. Es sei zwar letztlich nicht auszuschließen, dass Apple in der Zukunft andere Pläne verfolge als bisher, schrieb etwa der Experte Achal Sultania von der Schweizer Bank Credit Suisse. Dialog habe aber eine starke Beziehung mit den Amerikanern aufgebaut, die auch dazu geführt habe, dass das iPhone die Oberklasse-Konkurrenz der Android-Smartphones bei Stromverbrauch und Akku-Laufzeit abhängen könne.

Analyst Thomas Becker von der Commerzbank vertraute bereits am Freitag den jüngsten Aussagen des Managements von Dialog, wonach 2018 ein Jahr mit gutem Wachstum werden soll. "Das wäre nur schwer zu schaffen, sollten sie Apple als Kunden verlieren", schrieb der Analyst. Er wundere sich ohnehin, wie es Apple gelingen soll, Dialog mit ihren zehn Jahren Erfahrung in der Produktion von Chips für das Energie-Management zu ersetzen. Den rund 700 Entwicklern bei Dialog stünden lediglich rund 60 auf Seiten von Apple gegenüber - von denen allerdings rund die Hälfte früher bei Dialog tätig gewesen sei.

Karsten Iltgen vom Bankhaus Lampe wertete derweil den "Nikkei"-Bericht als "erste unabhängige Bestätigung" seiner These, dass Apple intern eine zweite Quelle für Komponenten für das iPhone schaffe. 2019 könnten geschätzte 30 Prozent der entsprechenden Komponenten von dem Technologieunternehmen selber gefertigt werden. Das wiederum könne den Gewinn von Dialog jährlich um 10 Prozent schrumpfen lassen. Eine Entscheidung werde wohl im ersten Quartal 2018 fallen.

Die Anleger aber haben bereits ihren Daumen über Dialog Semiconductor gesenkt. Seit Jahresbeginn steht bei den Aktien ein Minus von rund 36 Prozent zu Buche. Damit zählen sie zu den wenigen Verlierern im TecDax, der im gleichen Zeitraum um mehr als ein Drittel gestiegen ist.