AKTIE IM FOKUS: Poco-Mutter Steinhoff verliert bis zu 13 Milliarden Euro an Wert

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Die Aktionäre des von einem Bilanzskandal erschütterten Poco-Mutterkonzerns Steinhoff brauchen starke Nerven: Zwischenzeitlich lösten sich rund 13 Milliarden Euro an Börsenwert in Luft auf. Auch eine leichte Erholung des Kurses im Laufe des Freitagvormittags änderte nichts an der trüben Gemengelage.

Nach dem Hochkochen des Bilanzskandals und dem Abgang des Chefs mussten die Anleger eine weitere Hiobsbotschaft verdauen: Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Konzerns auf Ramschniveau ab. Das bedeutet, dass Moody's ernste Bedenken hat, dass Steinhoff seine Schulden zuverlässig zurückzahlen kann. Das ist kein gutes Omen für ein Treffen mit Kreditgebern, das laut der Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag stattfinden soll.

Die Aktien sackten in der Folge am Freitagmorgen um weitere 41 Prozent bis auf ein neues Tief von 0,35 Euro ab. Ende November hatten sie mit 3,50 Euro noch das Zehnfache gekostet. Noch deutlicher wird der tiefe Fall, wenn man den gesamten Börsenwert anlegt - dieser betrug zwischenzeitlich nur noch 1,5 Milliarden Euro nach zuvor 14,8 Milliarden Euro.

Angesichts der massiven Ausschläge der Aktie schaut sich die Finanzaufsicht Bafin den Kursverlauf nun an. Es handele sich um reine Routine, sagte eine Sprecherin. Zuletzt lag der Kurs wieder 5 Prozent im Plus gegenüber dem Vortag bei 0,62 Euro.

"Steinhoff ist vorerst eine reine Wette oder ein Lottospiel", schrieb Börsenbriefautor Hans Bernecker in seinem täglichen Marktkommentar. Es zeichne sich jedoch ab, dass das Bilanzproblem in den Wertansätzen für erworbene Töchter in der Konzernbilanz stecke. Wie bei anderen Konzernen würden sie von Quartal zu Quartal hoch- und wieder abgewertet. Wenn sie kreditfinanziert seien wie hier, könne dies zum großen Problem werden.

Die Commerzbank hat sämtliche Schätzungen zum Geschäftsverlauf bei Steinhoff und zur Entwicklung der Aktie zurückgezogen. Solange das Ergebnis der Untersuchung der beauftragten Wirtschaftsprüfer von PwC nicht vorliege, gebe es keine verlässliche Grundlage für irgendwelche Prognosen, schrieb Analyst Andreas Riemann. Schon vor zwei Tagen hatte er jedem normalen Anleger geraten: Finger weg.