AKTIE IM FOKUS: Anleger flüchten aus Kion nach Dämpfer für die Erfolgsstory

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kion-Aktie hat am Donnerstag nach der ersten Prognosesenkung in der mehr als vierjährigen Börsengeschichte des Gabelstaplerherstellers und Lagertechnikspezialisten so deutlich nachgegeben wie noch nie zuvor. Nachdem sie zum Handelsstart in der Spitze um etwas mehr als 11 Prozent auf den tiefsten Stand seit Juli eingebrochen war, erholte sie sich nur leicht.

Gegen Mittag lag sie im schwachen MDax mit fast 10 Prozent im Minus bei 69,40 Euro. Mehrere Analysten nannten die vorgelegten Quartalszahlen und insbesondere die gesenkten Jahresziele eine negative Überraschung.

Analyst Sven Weier von der Schweizer Großbank UBS verwies als Hauptgrund für die deutlichen Verluste der Aktie auf die gekappten Auftrags-, Umsatz- und Gewinnziele 2017 im "hoch bewerteten" Geschäftsbereich Supply Chain Solutions (SCS). Hier bietet Kion seinen Kunden Komplettlösungen rund um Logistikfragen an und hatte diesen Bereich erst kürzlich mit der Übernahme des US-Konzerns Dematic gestärkt. Mit einem Kaufpreis von rund 2 Milliarden Dollar wurde die Übernahme dabei zum bislang teuersten Kauf in der Firmengeschichte von Kion.

Dass der Wiesbadener Konzern nun ausgerechnet in dieser Sparte sein Auftragseingangsziel um 17 Prozent und seine Umsatz- und Ebit-Erwartungen um jeweils 14 Prozent gesenkt habe, schockiere nun, hieß es am Markt. "Der Auftragseingang für 2017 in SCS ist mit 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro nicht nur geringer als ursprünglich erwartet, sondern liegt auch noch 25 Prozent unter dem Mittelwert, der in der Konsensschätzung bislang für den Umsatz 2018 erwartet wurde", monierte etwa Citigroup-Analyst Martin Wilkie.

Zwar sei er mit Blick auf die Automatisierungstrends grundsätzlich "sehr positiv" gestimmt für Kion, schrieb er weiter, "aber nun hat das Kion-Management alle Hände voll zu tun, den Nutzen der Dematic-Übernahme zu beweisen und zu begründen, warum anders als die Wettbewerber mit Auftragsverzögerungen gerechnet wird".

Ende Juni 2013 war Kion, einst aus dem Linde-Konzern hervorgegangen und dann 2006 von den Finanzinvestoren Goldman Sachs und KKR übernommen, an die Börse gebracht worden. Das Debüt des größten europäischen Gabelstaplerherstellers war etwas holprig gewesen, der Ausgabepreis je Aktie von 24 Euro wurde zeitweise unterschritten. Doch dann begann die Erfolgsstory: Anfang dieses Monats erreichte das Papier bei 81,95 Euro ein Rekordhoch. Der Börsenwert beträgt zurzeit etwas über 8 Milliarden Euro.

Nach Daten von dpa-AFX traut die Mehrheit der Analysten der Aktie weiterhin Kursanstiege zu. Momentan empfehlen 10 Analysten Kion zum Kauf, 4 raten zum Halten der Aktie und nur 2 zum Verkauf. Allerdings könnte nach den an diesem Morgen veröffentlichten vorläufigen Neunmonatszahlen und den gekappten Zielen für 2017 womöglich der eine oder andere sein Anlageurteil überdenken.