AKTIE IM FOKUS: Anleger bleiben Aixtron dank höherer Prognosen treu

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die fortgesetzte Trendwende beim LED- und Chipindustrieausrüster Aixtron hat den zuletzt aufgekommenen Optimismus der Anleger am Dienstag zumindest ein Stück weit untermauert. Nach einer allerdings wenig überraschenden Erhöhung der Unternehmensziele stiegen die Papiere am Vormittag um 0,87 Prozent auf 7,414 Euro. Erst in der vergangenen Woche hatten sie bei 7,669 Euro den höchsten Stand seit Ende 2015 erreicht. Analysten bleiben dennoch teils skeptisch.

Zur Vorsicht mahnt etwa Malte Schaumann vom Analysehaus Warburg Research. Er äußerte sich zwar positiv zu den vorgelegten Geschäftszahlen für das zweite Quartal, sieht auf dem aktuellen Kursniveau aber bereits ein stärkeres Umsatzwachstum sowie die Rückkehr zu der früheren operativen Gewinnmarge von 15 Prozent eingepreist. Er hält die im Technologiewerte-Index TecDax gelisteten Aktien für zu teuer und nennt ein Kursziel von 4 Euro.

Analyst Uwe Schupp von der Deutschen Bank lobte die Resultate als stark. Die Nachfrage nach den Anlagen von Aixtron profitiere auch vom Produktionsaufbau in der Branche wegen der Einführung von 3D-Sensortechnik eines führenden Smartphone-Herstellers später im Jahr. Insgesamt seien die Märkte von Aixtron in guter Verfassung. Zudem zeichneten sich erste Ergebnisse der Kosteneinsparungen ab. Die Aktien bleiben für Schupp ein Favorit. Mit einem Kursziel von 8 Euro ist er der optimistischste unter den im dpa-AFX-Analyser erfassten 9 Experten.

Das um Restrukturierungsaufwendungen bereinigte Nettoergebnis von Aixtron verbesserte sich im zweiten Quartal deutlich auf minus 3,7 Millionen Euro. Der Umsatz stieg auf 60,6 Millionen Euro, der Auftragseingang wuchs auf 66,6 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr ist das Unternehmen nun optimistischer geworden und rechnet bei Auftragseingang und Umsatz nun mit Werten von 210 bis 230 Millionen Euro. Selbst das hält Schupp noch für vorsichtig.

Die Mitte der neuen Prognosespanne decke sich mit seinen Schätzungen, schrieb Analyst Günther Hollfelder von der Baader Bank in einer Studie. Er lobte die Fortschritte im Geschäft mit der OLED-Technik. Hier hatte Aixtron zur Bündelung der Aktivitäten eine Tochtergesellschaft mit einem asiatischen OLED-Displayhersteller gegründet. Zugleich bemängelte der Analyst aber die Abschreibungen im Zusammenhang mit Entwicklungsaktivitäten für die Dünnfilmverkapselung (TFE). Bei der Technik, welche Chips vor Feuchtigkeit schützen soll, gebe es momentan noch keine ausreichende Nachfrage, sagte ein Sprecher. "Wir würden das Geschäft allerdings reaktivieren, wenn ein entsprechendes Marktinteresse da ist", hieß es weiter.

Mit dem Anstieg vom Dienstag nahmen die Aktien wieder Kurs auf die jüngst erreichten 7,669 Euro. Noch im Dezember 2016 war der Kurs infolge des Scheiterns der geplanten Übernahme durch einen chinesischen Investor bis auf fast 3 Euro gefallen. Damals hatten die USA wegen Sicherheitsbedenken ihr Veto eingelegt. Seither ging es dank der Hoffnung auf wieder besser laufende Geschäfte sowie vagen Übernahmefantasien in der Spitze um rund 150 Prozent nach oben. Damit sind die Papiere in diesem Zeitraum der Favorit im TecDax. Firmenchef Kim Schindelhauer sagte gegenüber dem "Handelsblatt" aber, dass Aixtron nicht zum Verkauf stehe.

Die alten Höchstkurse bleiben derweil in weiter Ferne. Zu den Hochzeiten des neuen Marktes im Jahr 2000 waren die Aktien bis auf eine Bestmarke über 89 Euro gestiegen. Aber auch ein Blick in die jüngeren Vergangenheit wirkt eher ernüchternd: Anfang 2011 kosteten die Papiere auch dank des LED-Booms bei Fernsehern noch um die 34 Euro. Viele Hersteller rüsteten ihre Fabriken auf. Darauf folgen allerdings Jahre der Krise, auch wegen zu hoher LED-Produktionskapazitäten, was auf die Nachfrage nach Anlagen von Aixtron drückte.

Analysten trauen den Aktien jedenfalls mittelfristig derartige Höhen nicht mehr zu. Das durchschnittliche Kursziel der Experten im dpa-AFX-Analyser liegt bei knapp 5,40 Euro. Allerdings berücksichtigen noch nicht alle Analysten die neuen Unternehmensprognosen.