AKTIE IM FOKUS 3: RWE nach SPD-Wahl schwach - keine Kohle für den Kohleausstieg?

(neu: Aktienkurs aktualisiert.)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die neue designierte Parteispitze der deutschen Sozialdemokratie ist am Montag den Aktionären von RWE <DE0007037129> bitter aufgestoßen. Denn mit der überraschenden Wahl der eher als links geltenden Saskia Esken und von Norbert Walter-Borjans als künftige Tandemspitze der SPD könnten sich Experten zufolge die Aussichten auf milliardenschwere Entschädigungen für den Ausstieg aus der Kohleverstromung eintrüben - wenn nicht gar gänzlich in Luft auflösen.

Die Aktien des Energieversorgers weiteten im Verlauf des Tages die Verluste immer mehr aus und schlossen 5,4 Prozent niedriger auf 25,45 Euro. Sie waren mit Abstand größter Verlierer im deutschen Auswahlindex Dax <DE0008469008>. Dabei haben die Papiere ein erfolgreiches Börsenjahr hinter sich: Seit Jahresbeginn steht ein Gewinn von gut 34 Prozent zu Buche - deutlich mehr als der Dax und der europäische Sektor der Versorger <EU0009658962>.

Unter der neuen designierten Parteiführung könnte die SPD mehr auf Distanz zum Koalitionspartner CDU/CSU gehen, bis hin zu einem Ausstieg aus der Großen Koalition, schrieb Analyst Ingo Becker vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux. Zur Verhandlungsmasse zwischen den Parteien drohten auch die staatlichen Entschädigungen für den Ausstieg von RWE aus der Kohleverstromung zu werden. "Wir erwarten, dass es beim Umfang der Entschädigungszahlungen eine komplette Enttäuschung gibt", so Becker. Möglicherweise gehe RWE sogar gänzlich leer aus.

Esken und Walter-Borjans wollen den Verbleib im Bündnis von einem "Update des Koalitionsvertrags" abhängig machen und fordern unter anderem weitere Milliardeninvestitionen in Klima und Infrastruktur. Wenn das nicht klappt, ist Esken für einen "geordneten Rückzug" aus dem politischen Bündnis.

Vor diesem Hintergrund sei eine staatliche Kompensation für das Aus von Kohlekraftwerken alles andere als selbstverständlich, schrieb Becker. Die politische Landschaft sei "tiefgrün" und die Opposition stelle sich gegen Entschädigungen für die Produzenten von CO2-Emissionen. Je grüner und linker die Regierung, desto weniger dürften sich die Hoffnungen des Marktes und des Unternehmens auf Kompensationen erfüllen. Zudem scheine der Regierungshaushalt nur wenig Spielraum für Entschädigungen zu lassen.

Der Kurs der RWE-Aktie habe seit Jahresbeginn erheblich von den Hoffnungen auf staatliche Milliarden für den Kohleausstieg profitiert. Diese Erwartungen an der Börse könnten nun also enttäuscht werden, folgerte der Experte. Er riet Investoren, den Anteil der RWE-Aktien im Portfolio zu reduzieren.