AKTIE IM FOKUS 2: Thyssenkrupp-Neuausrichtung treibt die Kurserholung weiter an

(neu: Kursentwicklung, weitere Analystenstimmen, Aussagen aus Telefonkonferenz)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aktien von Thyssenkrupp <DE0007500001> haben am Dienstag ihre hohen Kursgewinne gehalten. Gegen Mittag belief sich das Plus auf 5,4 Prozent. Damit waren sie an der Spitze im nahezu unveränderten MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Werte und kosteten 5,218 Euro. Bereits am Vortag hatten sie zwölfeinhalb Prozent gewonnen nach Spekulationen über einen weiteren Anlauf für eine mögliche Stahlfusion.

Die geplante Neuausrichtung wird am Markt positiv gesehen. Der Konzern soll weiter schrumpfen. Behalten wollen die Essener den Werkstoffhandel sowie das Geschäft mit Industrie- und Automobilkomponenten. Für die Stahlsparte prüft Thyssenkrupp mehrere Optionen - sowohl einen Verbleib des Geschäfts im Konzern als auch eine mögliche Fusion. Gleiches gelte für die Marine-Sparte.

Beim Stahlgeschäft werde es keine "Denkverbote" geben, kündigte Konzernchefin Martina Merz am Vormittag in einer Telefonkonferenz an. Merz kann sich nicht nur eine Übernahme von Konkurrenten oder eine Fusion vorstellen, sondern auch die Beibehaltung von lediglich einem Minderheitsanteil am Stahlgeschäft.

Es habe in den vergangenen zwei Jahren zu viele Kehrtwenden in puncto Strategie und Portfolio-Ausrichtung gegeben, um zu glauben, dass es nun bei dem von Thyssenkrupp entworfenen Plan bleibe, zeigten sich die Analysten von Barclays zunächst skeptisch. Die Strategie-Ankündigungen schienen aber den Weg zu ebnen für eine komplette Aufspaltung des Konzerns und seien somit eine klare Botschaft, dass in Anbetracht der Liquiditäts - und Verschuldungssorgen eine radikale Neuausrichtung vonnöten sei.

Auch Analyst Christian Obst von der Baader Bank hält den Schrumpfungsprozess von Thyssenkrupp für notwendig. Und ein Händler betonte, der Umbau von einem schwerfälligen in einen wesentlich agileren und flinkeren Konzern könnte gerade noch rechtzeitig passieren, um die Wende zu schaffen. Ungeachtet des weiteren Erholungspotenzials sei nach dem starken Kursanstieg aber einiges nun in den Papieren eingepreist, gab er zu bedenken.

Die Thyssenkrupp-Aktien haben seit Anfang 2018, als sie noch um die 26 Euro gekostet hatten, peu a peu nachgegeben und im Zuge der Corona-Krise in diesem März mit 3,28 Euro ein historisches Tief erreicht. In den Wochen danach präsentierten sie sich sehr schwankungsanfällig in einer Spanne zwischen vier und mehr als sechs Euro.