AKTIE IM FOKUS 2: Geplatzte Fusion von T-Mobile US zieht Mutter Telekom runter

dpa-AFX

(neu: aktualisierte Kurse, Kommentare Barclays und NordLB)

FRANKFURT/NEW YORK (dpa-AFX) - Die abermals gescheiterte Partnersuche für T-Mobile US hat den Aktionären der Deutschen Telekom zum Wochenstart die Stimmung gründlich verdorben. Zuvor hatten die Telekom-Tochter T-Mobile US und der Rivale Sprint ihre gemeinsamen Bemühungen für beendet erklärt.

Die T-Aktie rutschte vor diesem Hintergrund zum Handelsschluss am Montag als zweitschwächster Wert im Dax um 2,62 Prozent auf 15,23 Euro ab. Der deutsche Leitindex ging indes nur leicht schwächer über die Ziellinie. Für T-Mobile US ging es in New York zuletzt um mehr als fünfeinhalb Prozent abwärts, Sprint brachen gar um fast 12 Prozent ein.

Bei aller Enttäuschung werteten es Analysten aber als positiv, dass die Deutsche Telekom sich nicht auf einen schlechten Deal eingelassen habe, sondern hart geblieben ist.

Zwar entgingen der Telekom Synergien im US-Geschäft, doch das Management verdiene Anerkennung, schrieb Analyst Usman Ghazi von der Privatbank Berenberg. Die harte Haltung mit Blick auf eine Kontrollmehrheit bei T-Mobile US erscheine sinnvoll. So soll ein Grund für das Scheitern gewesen sein, dass sich die japanische Sprint-Mutter Softbank bei den Eigentumsverhältnissen einer fusionierten Gesellschaft nicht mit der Rolle des Junior-Partners abfinden wollte.

Spekulationen über einen Zusammenschluss der beiden US-Branchenschwergewichte hatten die Finanzmärkte in den vergangenen Monaten auf Trab gehalten. Der Grund ist einfach: Ein fusioniertes Unternehmen hätte im Konkurrenzkampf gegen die Platzhirsche AT&T und Verizon wohl bessere Karten gehabt.

Gemeinsam hätten T-Mobile US und Sprint einen schlagkräftigen Angreifer gegen AT&T und Verizon formen können, schrieb denn auch NordLB-Analyst Wolfgang Donie in einer aktuellen Studie. So oder so bleibe aber T-Mobile US vorerst die Wachstumslokomotive der Deutschen Telekom. Die erfolgreiche strategische Positionierung sorge dafür, dass für die Bonner kein unbedingt notwendiger Handlungsdruck hinsichtlich einer Fusion bestehe, hieß es weiter.

Bereits im Mai war abermals verstärkt Fantasie über die Zukunft von T-Mobile US aufgeflammt. Auch das hatte die Telekom-Aktien damals zum ersten Mal seit 2002 wieder über die Marke von 18 Euro getrieben. Kurz darauf hatte es aber erste Medienberichte über Unstimmigkeiten in den Gesprächen mit Sprint gegeben. Der Kurs der Telekom bröckelte bis Anfang September in einem allerdings schwierigen Aktienmarktumfeld bis auf unter 15 Euro ab. Die anschließende Erholung ist nun fast wieder verpufft.

Analysten zeigten sich allerdings verhalten zuversichtlich, dass über die Zukunft von T-Mobile US das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Analyst Akhil Dattani von der US-Bank JPMorgan schließt erneute Gespräche mit Sprint nicht aus, wenngleich wohl eher langfristig. Erst einmal dürfte T-Mobile US sich auf attraktive Wachstumsaussichten als eigenständiges Unternehmen fokussieren.

Das Geschäft von T-Mobile US brummt schon eine Weile. Allerdings ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. So hatte die Telekom so viel Geld in das US-Geschäft gesteckt, dass die daran gemessene Rendite noch lange nicht den Vorstellungen von Konzernchef Tim Höttges entspricht. Sie sollte sich durch Kostensenkungen und den Wegfall eines Konkurrenten infolge eines Zusammenschlusses wohl weiter verbessern.

Analyst Ulrich Rathe vom Investmenthaus Jefferies sieht nun "das Problem der unzureichenden Kapitalrendite bei T-Mobile US" wieder in den Fokus rücken. Da dem Konzern wohl deutliches Sparpotenzial entgehe, dürfte der Kurs der Papiere kurzfristig weiter unter Druck geraten. Daran änderten auch die sonst guten Perspektiven nichts.

Für den Experten Robert Grindle von der Deutschen Bank ist eine größere Kursschwäche der Deutschen Telekom indes eine Kaufgelegenheit. Die an diesem Donnerstag anstehenden Zahlen für das dritte Quartal dürften unterstreichen, dass die Telekom auch abseits von T-Mobile US Attraktives zu bieten habe.

Mathieu Robilliard, Analyst bei der britischen Investmentbank Barclays, ist für die Aktie der Deutschen Telekom mit seinem "Overweight"-Votum ebenfalls nach wie vor positiv gestimmt. Allerdings: Die Konsolidierung im US-Telekommarkt sei bisher ein wichtiger Aspekt seiner Anlageempfehlung für die T-Aktie gewesen. Ohne einen Zusammenschluss in den USA sei das Aufwärtspotenzial nun begrenzter.