Aktie der Deutschen Bank bricht um sechs Prozent ein


Sieben DIN-A4-Seiten braucht die Deutsche Bank, um den Medien ihr Ergebnis für das Jahr 2017 zu erklären. Am Ende reicht aber ein Satz von Vorstandschef John Cryan, um die Sache auf den Punkt zu bringen: „Wir haben Fortschritte gemacht, sind aber mit unseren Ergebnissen noch nicht zufrieden.“

Eigentlich hätte es auch der zweite Halbsatz getan. Auch wenn es im Zahlenwerk den ein oder anderen Lichtblick gibt, bleiben Investoren, Mitarbeitern und Beobachtern der Bank reichlich Gründe, um sich Sorgen zu machen. Die Einnahmen fallen weiter, beim Sparen kommt Cryan nicht recht voran, der Konzernumbau wird auch in diesem Jahr das Ergebnis belasten. Im wichtigen Investmentbanking lief es im vierten Quartal und im gesamten Jahr 2017 alles andere als rund. Da fällt es umso schwerer, die geplante Aufstockung der Boni zu rechtfertigen.

Kurz und knapp: Eigentlich wollte Cryan 2018 durchstarten. Jetzt droht ein weiteres „Übergangsjahr“. Die Diskussion um die Frage, ob der als Sanierer geschätzte Brite der richtige Mann ist, um die Bank wieder auf Wachstum zu trimmen, wird so nicht verstummen. An der Börse ging es am Freitag krachend bergab: Die Aktie der Deutschen Bank ging sofort auf Talfahrt und lag am späten Vormittag weiterhin mehr als sechs Prozent im Minus.


Jetzt kommt es auf das erste Quartal an, traditionell das stärkste im Bankgeschäft. Hier werden Cryans Kritiker, die sich auch unter den einflussreichen Großaktionären der Bank finden, echte Fortschritte sehen wollen. Außerdem muss der geplante Teilbörsengang der Asset-Management-Tochter DWS möglichst früh, möglichst reibungslos über die Bühne gehen. Andernfalls droht der Bank im Mai wieder einmal ein Showdown auf der Hauptversammlung. Dabei hat sie eine neue Diskussion über Strategie und Führung ungefähr so nötig wie eine Wiederholung der Finanzkrise.

Dass die Deutsche Bank 2017 unter dem Strich erneut einen Verlust ausweisen muss, war bereits seit der Warnung per Pflichtmitteilung Anfang Januar klar. Am Ende summierte sich das Minus auf 500 Millionen Euro. Das ist nicht das eigentliche Problem, denn für die roten Zahlen ist vor allem ein Einmaleffekt durch die Steuerreform in den USA verantwortlich. Ohne die Belastung durch diese Steuerreform hätte die Bank einen Jahresnettogewinn von rund 900 Millionen Euro erreicht, nach einem Verlust von 1,4 Milliarden 2016.

Vor Steuern verdiente das Geldhaus im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro. Das ist allerdings deutlich weniger als die von den Analysten erwarteten 2,1 Milliarden Euro. Im vierten Quartal hat die Bank nicht nur unter dem Strich, sondern auch vor Steuern einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro eingefahren. Damit fällt das Minus in den letzten drei Monaten des Jahres beinahe drei Mal so hoch aus, wie von den Analysten prognostiziert. Besonders beunruhigen wird die Investoren die weitere Erosion der Erträge, die 2017 noch einmal um zwölf Prozent auf 26,4 Milliarden Euro schrumpften. Im vierten Quartal lag das Minus sogar bei 19 Prozent.

Für Frustration wird auch die Tatsache sorgen, dass Cryan sein Kostenziel für dieses Jahr kassieren musste. Eigentlich hatte der Vorstandschef versprochen, die bereinigten zinsunabhängigen Aufwendungen auf 22 Milliarden Euro zu drücken. Jetzt kalkuliert die Bank mit 23 Milliarden Euro. Das schmerzt besonders, denn zuletzt waren es vor allem die Sparerfolge von Cryan, die für Lichtblicke im Zahlenwerk der Bank gesorgt hatten. Am Ende musste das Geldhaus im vergangenen Jahr über 93 Cent ausgeben, um einen Euro einzunehmen. Zum Vergleich: Die Cost-Income-Ratio der effizientesten europäischen Konkurrenten liegt bei ungefähr 50 Prozent.


Personalkosten steigen deutlich



Die Bank gibt offen zu, dass die geplante Aufstockung der Boni für den Rückschlag auf der Kostenseite im vierten Quartal verantwortlich ist. Nach massiven Einschnitten im Vorjahr will sie für 2017 trotz schrumpfender Erträge zu ihrem üblichen Vergütungssystem zurückkehren. Für das vergangene Jahr wird sie inklusive Festgehälter, Pensionszusagen, Boni und aller anderen Entlohnungsverpflichtungen 12,2 Milliarden Euro für Vergütung ausgeben. Damit entfallen über 46 Prozent von jedem eingenommenen Euro auf die Personalkosten – 2016 lag dieser Wert noch bei 39,6 Prozent.

Die Bank hatte Investoren bereits darauf vorbereitet, dass die Geschäfte im größten Geschäftsbereich, dem Investmentbanking, schlecht liefen. Vor allem im wichtigen Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten brachen die Einnahmen im vierten Quartal, ähnlich wie bei der US-Konkurrenz, um knapp 30 Prozent ein. In der gesamten Corporate- und Investmentbank sackte der Vorsteuergewinn um knapp die Hälfte auf 877 Millionen Euro ab. Im Privat- und Firmenkundengeschäft fiel das Ergebnis sogar um 73 Prozent auf nur noch 382 Millionen Euro.

Zumindest meldete die Bank, dass die Vorbereitungen für die Fusion mit der Bonner Tochter Postbank nach Plan laufen. Aus dem Zusammenschluss soll der Marktführer in Deutschland mit rund 20 Millionen Kunden entstehen. Die vor dem Börsengang stehende Asset-Management-Tochter DWS erwirtschaftete im vergangenen Jahr nach einem Verlust von 206 Millionen Euro einen Vorsteuergewinn von 725 Millionen Euro.


Am Ende fällt das Ergebnis der operativen Geschäftsbereiche ernüchternd aus – vor allem angesichts der Tatsache, dass die Einnahmen in allen drei Segmenten im vergangenen Jahr gefallen sind. Das bedeutet nichts anderes, als dass es der Bank bislang nicht gelungen ist, alle Kunden zurückzugewinnen, die ihr in der Vertrauenskrise 2016 davongelaufen sind.

Bleibt das Prinzip Hoffnung. Und auch das steht auf einigermaßen wackeligen Beinen. Für 2018 hofft die Bank auf steigende Zinsen und mehr Bewegung an den Märkten. Zusammen mit dem erwarteten robusten Wirtschaftswachstum in Europa würde das allen Geschäftsbereichen helfen. Auf der anderen Seite warnt Cryan seine Investoren aber schon jetzt, dass sie sich in diesem Jahr auf höhere Kreditausfälle und auch wieder auf höhere Kosten für die Aufarbeitung der juristischen Skandale einstellen müssen.

Und der Aufwand für die Sanierung der Deutschen Bank wird wohl noch einmal so hoch ausfallen wie in diesem Jahr. Alles in allem gilt für die größte heimische Bank und ihren Vorstandschef nach dem Jahr 2017 das frustrierende Motto aus dem Brettspiel Monopoly: „Gehen Sie zurück auf Los.“