Akorn zieht nach Übernahme-Absage gegen Fresenius vor Gericht

Der US-Generikahersteller weist die Vorwürfe des Gesundheitskonzerns kategorisch zurück. Fresenius droht nun ein juristisches Nachspiel.


Nach der Absage der milliardenschweren Akorn-Übernahme droht dem Medizinkonzern Fresenius ein juristisches Nachspiel. Der verschmähte US-Generikahersteller sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und pocht auf die Einhaltung der von den Deutschen gemachten Zusagen. Dazu legte Akorn beim zuständigen Gericht im US-Bundesstaat Delaware nun Beschwerde gegen die Kündigung des Übernahmeangebots ein und wies die Vorwürfe von Fresenius in einer Stellungnahme kategorisch zurück.

Die laufenden Ermittlungen stellten keine Behinderung für die Übernahme dar und hätten keinerlei Fakten zutage gefördert, die sich negativ auf Akorns Geschäft auswirkten, teilte der US-Generikahersteller am späten Sonntagabend in Lake Forest mit.

Es fehle daher die Voraussetzung für einen Abbruch des Geschäfts. Akorn werde seine Rechte und Fresenius' Pflichten, wie sie aus der bindenden Übernahmevereinbarung hervorgingen, mit aller Energie durchsetzen, hieß es weiter. Zuvor hatte der Dax-Konzern am Sonntag seinen Rückzug von dem 4,4 Milliarden Euro schweren Zukauf angekündigt.


Akorn habe mehrere Vollzugsvoraussetzungen nicht erfüllt habe, erklärte Fresenius. Unter anderem habe es schwerwiegende Verstöße gegen Vorschriften der US-Gesundheitsbehörde FDA hinsichtlich der Datenintegrität bei Akorn gegeben. Das habe die von Fresenius eingeleitete unabhängige Untersuchung zu Tage gefördert.

Der Dax-Konzern erklärte am Montag, man wolle keine neuen Verhandlungen mit dem US-Unternehmen aufnehmen. „Wir haben Akorns Mitteilung zur Kenntnis genommen. Das ändert nichts an den Tatsachen, unsere Entscheidung ist richtig und begründet“, sagte ein Fresenius-Sprecher.

Anleger zeigten sich am Montagmorgen von dem Schritt erleichtert. Die Titel stiegen im frühen Handel am Montag um drei Prozent auf 67,58 Euro und waren mit Abstand größter Gewinner im Dax. Allerdings keimten Sorgen vor einem Rechtsstreit mit den Amerikanern auf.

„Für Fresenius ist die Nachricht positiv, aber die Antwort von Akorn auf die abgeblasene Übernahme klingt danach, als ob die Sache vor Gericht landen wird“, schrieben die Analysten der Investmentbank Bernstein. Auch die US-Gesundheitsbehörde FDA könne sich einschalten. Die Experten von Morgan Stanley äußerten sich ähnlich. „Der Ausgang dieses Deals ist nicht ideal, da er einen langwierigen Rechtsstreit nach sich ziehen könnte.“

Nicht komplett auszuschließen sei auch, dass Fresenius mit der Aufkündigung der Transaktion versuche, einen geringeren Übernahmepreis herauszuhandeln, erklärten die Experten der Bank Berenberg.

Fresenius-Chef Stephan Sturm hatte hinter den geplanten Zukauf schon Ende Februar ein großes Fragezeichen gemacht, da aber noch von „angeblichen Verstößen“ gesprochen. Der in Bad Homburg beheimatete Konzern hatte zuvor anonyme Hinweise erhalten und daraufhin unter anderem untersuchen lassen, ob Akorn beim Zulassungsverfahren neuer Medikamente in den USA gegen Vorgaben der Gesundheitsbehörde verstoßen hat.


Auf welche konkreten Verstöße die externen Ermittler dabei gestoßen sind, ließ der Dax-Konzern nun offen. Dies geschah auf Wunsch der anderen Seite, da Akorn laut einem Fresenius-Sprecher auf Einhaltung der gemachten Vertraulichkeitszusagen besteht. In den vergangenen Wochen scheinen sich ohnehin die Fronten zwischen beiden Unternehmen verhärtet zu haben: Das Angebot, mehr Zeit zu bekommen, um selbst weiter zu prüfen und Fresenius zusätzliche Informationen zur Verfügung zu stellen, hätten die Amerikaner abgelehnt, teilte Fresenius mit.

Akorn wäre mit 4,4 Milliarden Euro der zweitteuerste Zukauf von Fresenius gewesen – nach dem Anfang 2017 abgeschlossenen 5,8 Milliarden Euro teuren Erwerb der spanischen Klinikkette Quironsalud. Fresenius hatte mit dem Zukauf seine auf Flüssigmedizin spezialisierte Tochter Kabi in den USA stärken wollen. Ursprünglich hatte Fresenius den Zukauf bereits Anfang 2018 abschließen wollen, doch dann zog sich die kartellrechtliche Prüfung hin.

Akorn hatte ab Mitte vergangenen Jahres deutlich an Umsatz und Gewinn verloren, unter anderem weil eines der wichtigsten Produkt, Ephedrin, Konkurrenz bekommen hatte. Fresenius hatte nach früheren Angaben zwar einen Umsatzrückgang bei Ephedrin erwartet, aber nicht in der Größenordnung. Insgesamt war der Umsatz von Akorn 2017 um fast ein Viertel auf 841 Millionen Dollar geschrumpft.

Unter dem Strich rutschte Akorn sogar in die roten Zahlen: Das Unternehmen erzielte einen Verlust von 24,6 Millionen Dollar, nachdem im Jahr zuvor noch ein Gewinn von 184 Millionen Dollar erzielt wurde.

Fresenius hatte im April vergangenen Jahres 34 Dollar je Akorn-Aktie geboten. Als Fresenius vor zwei Monaten die Prüfung der Datenqualität von Akorns Pipeline angekündigt und eine Übernahme in Frage gestellt hatte, war die Akorn-Aktie zeitweise unter 17 Dollar gesunken. Vergangenen Freitag ging sie mit 19,70 Dollar aus dem Handel.

Zumindest einen finanziellen Nachteil aus dem geplatzten Zukauf bräuchten die Bad Homburger nicht zu befürchten, betonte der Sprecher. Im Übernahmevertrag hatten die Bad Homburger keine Auflösungsgebühr im Falle eines Scheiterns (Breakup fee) vereinbart. Fresenius bestätigte entsprechend seine Jahresprognose für Konzernergebnis und -umsatz.

Fresenius halte trotz der gescheiterten Zukaufs weiter an seinem strategischen Ziel fest, sein Produktangebot bei generischen Arzneimitteln in Nordamerika zu verbreitern, sagte der Sprecher. „Das kann nun über einen Ausbau des bestehenden Geschäfts bei der Tochter Kabi passieren, natürlich kann man das auch über Zukäufe beschleunigen.“