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Akeel: Vollgas gegen Barrieren

Akeel: Vollgas gegen Barrieren
Akeel: Vollgas gegen Barrieren

Der Puls schnellt in die Höhe. Voller Adrenalin lenkt Dania Akeel ihr Fahrzeug über staubige Pisten, Dünen und Geröll. Hier, bei Vollgas hinter dem Steuer, findet sie ihr großes Glück. „Ich liebe es zu fahren. Ich bin traurig, wenn ich aus dem Auto aussteige“, sagt die saudische Rennfahrerin.

Wie gut also, dass vor Akeel lange Tage im Cockpit liegen. Bei der am Samstag beginnenden Rallye Dakar in ihrem Heimatland kann sie ihre Leidenschaft intensiv ausleben. 14 Etappen stehen nach dem Prolog am Silvestertag an, es ist die längste Ausgabe des Klassikers seit 2014. Die Sieger werden am 15. Januar in der Hafenstadt Dammam gekürt.

Bis dorthin will es auch Akeel in ihrem T3-Buggy mit der Startnummer 312 schaffen. „Ankommen ist das Ziel“, sagte sie, „das ist die Grundlage für alles.“ Es wäre bereits das zweite Mal.

Geschichte geschrieben

Im Januar schrieb Akeel Geschichte. Sie war eine von zwei Frauen aus Saudi-Arabien, die bei der Dakar erstmals als Teilnehmerinnen am Steuer saßen - eine Besonderheit in der islamisch-konservativen Monarchie, in der Frauen erst seit Juni 2018 überhaupt Auto fahren dürfen.

Akeel, die in London Moderne Geschichte und Politik studierte, besitzt ihren Führerschein schon deutlich länger. Vorbehalte in ihrer Familie gab es keine. Mit ihrem Vater verfolgte sie oft die Formel 1 vor dem Fernseher, gemeinsam sahen sie Michael Schumacher im Ferrari von Sieg zu Sieg eilen.

Vom saudischen Motorsportverband SAMF erhielt Akeel als erste Frau eine Wettkampflizenz, 2019 nahm sie an einer Motorrad-Superseries in den Vereinigten Arabischen Emiraten teil - und wurde prompt „Rookie des Jahres“. Nach einem schweren Unfall folgte der Wechsel in den Rallye-Sport. Zuletzt bewies sie ihr Können mit dem zweiten Platz in der T3-Kategorie bei der Dubai International Baja.

Top-10 Platzierung als Ziel

Saudi-Arabien, sagte Akeel, sei ein offenes Land: „Es heißt Frauen in allen Bereichen willkommen.“ Dennoch gebe es „unsichtbare Barrieren. Wenn ich diese unsichtbaren Barrieren für Frauen beseitigen kann, bin ich sehr glücklich.“ Es sei wichtig, eine Referenz zu setzen.

So wie schon bei ihrer ersten Dakar. Dort schlug sich Akeel beachtlich. Als Achte feierte sie bei ihrer denkwürdigen Premiere eine Top-10-Platzierung. Die soll es auch bei der 45. Ausgabe der legendären Wüstenrallye werden.

Ein besseres Ergebnis sei wünschenswert, sagte Akeel, vor allem wolle sie aber noch besser fahren: „Ich hoffe, dass ich auf jedem Kilometer etwas lerne. Es lässt sich immer ein höheres Level erreichen, eine bessere Fahrlinie und Balance im Auto finden.“

Und ein besserer Zugang zu sich selbst. Die Dakar ist eine Grenzerfahrung für Körper und Geist. „Es ist eine sehr bereichernde Erfahrung zu sehen, wie die eigenen Limits verschoben werden“, sagte Akeel. Man werde ständig mit den eigenen Schwächen konfrontiert: „Man kann in kurzer Zeit als Person sehr wachsen. Ich habe viel bei der Dakar gelernt.“

Am Samstag steigt Akeel wieder ins Cockpit - und ist bereit für neue Lektionen.