Airbus schließt Übernahme der „C-Serie” schneller als erwartet ab


Früher als ursprünglich erwartet haben Airbus und Bombardier ihre Partnerschaft für die Produktion des Regionalflugzeugs C-Series abgeschlossen. Wie der deutsch-französisch-spanische Flugzeugbauer am Freitagmorgen mitteilte, liegen bereits alle erforderlichen Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden vor.

Man habe sich deshalb auf das Closing, die Fertigstellung der Transaktion, zum 1. Juli 2018 geeinigt. Airbus übernimmt die Mehrheit an der C-Series Aircraft Limited Partnership (CSALP), Bombardier erhält eine Minderheitsbeteiligung. Bei Bekanntgabe des Deals im vergangenen Oktober hatte Airbus einen Abschluss für die zweite Jahreshälfte 2018 in Aussicht gestellt.

Die C-Series ist ein Flugzeug mit 100 bis 150 sitzen und erweitert das Angebot von Airbus, da sie etwas kleiner ist als das bisherige Einstiegs-Flugzeug A320. Bombardier hatte das Modell selber entwickelt, doch angesichts zunehmender Kosten ging dem Unternehmen die finanzielle Kraft dafür aus, das Modell tatsächlich in großen Stückzahlen zu produzieren und auf den Markt zu bringen.


Das wird nun Airbus übernehmen. Der Flugzeugbauer erweitert seine Produktpalette damit auf kleinere Passagierjets, ohne selbst Geld in die Entwicklung neuer Flugzeuge investieren zu müssen. Hauptsitz der Partnerschaft und wichtigste Endmontagelinie ist Mirabel im kanadischen Quebec. Allerdings soll eine zweite Endmontage in Alabama in den USA aufgebaut werden. Durch diesen Schachzug unterläuft Airbus die Bestrebungen seines Konkurrenten Boeing, die C-Series mit Zöllen vom US-Markt zu verbannen.

Das Modell könnte große wirtschaftliche Bedeutung bekommen, da die Nachfrage nach Flugzeugen mit 100 bis 150 Sitzen in den kommenden 20 Jahren auf bis zu 6000 Stück geschätzt wird.

Airbus Chef Tom Enders sagte, dieses „großartige Flugzeug kann nun mit der gebündelten Schlagkraft von Airbus sein volles Marktpotenzial ausschöpfen.“ Die Aufnahme des Modells in die Airbus- Produktpalette werde „erheblichen Nutzen für unser Unternehmen sowie unsere Kunden und Aktionäre bringen.“


Bombardier hat sich verpflichtet, nötigenfalls maximal 225 Millionen Dollar in diesem und 350 Millionen Dollar im kommenden Jahr zu zuschießen. 2020 und 2021 wird Bombardier eine mögliche Finanzlücke noch einmal mit demselben Betrag stopfen. Im Gegenzug erhalten die Kanadier nicht stimmberechtigte Aktien an der CSALP. Airbus wird das Unternehmen vom 1. Juli an konsolidieren. Bombardier hat im vergangenen Jahr 17 Maschinen der C-Series ausgeliefert, in diesem wird die Verdoppelung der Lieferungen angestrebt.

Bei seinen Mittelstreckenjets A320neo ist Airbus weiter in der Zwickmühle zwischen einer großen Nachfrage und anhaltenden Triebwerksproblemen. Die Schwierigkeiten dürften die Produktion weiterhin hemmen: 2018 werde in diesem Punkt wahrscheinlich noch schwieriger als 2017, sagte Enders.

Weil die Triebwerksbauer mit technischen Problemen kämpften, kamen sie schon im vergangenen Jahr mit den Auslieferungen in Verzug. Airbus konnte daher viele Jets erst im Dezember an seine Kunden übergeben.

Zugleich diskutiert der Konzern laut Enders weiter darüber, ob die Produktionsraten für die A320neo-Jets und deren Vorgängerin A320 auf 70 oder noch mehr Maschinen pro Monat angehoben werden könnten.

Bislang ist vorgesehen, die Fertigung bis Mitte 2019 auf 60 Maschinen pro Monat zu steigern. Der Chef des französischen Triebwerksherstellers Safran, Philippe Petitcolin, hatte im Februar gesagt, vor 2021 sei eine Rate von 70 Maschinen pro Monat nicht machbar.