Airbus: Entsteht mit BAE Systems ein großer europäischer Kampfflugzeug-Konzern?

Martin Mrowka
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Airbus: Entsteht mit BAE Systems ein großer europäischer Kampfflugzeug-Konzern?

Airbus strebt offenbar eine riesige Militärflugzeug-Allianz mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems an. Airbus-Chef Tom Enders sagte der Sunday Times, es sei an der Zeit, "die Bemühungen zur Konsolidierung und Verschmelzung ernsthaft zu betrachten". Die Mega-Fusion zu einem paneuropäischen Düsenjäger-Konzern hätte das Potenzial die amerikanische Übermacht durch Boeing und Lockheed Martin zu brechen.

Die Nachricht kommt, nachdem BAE in der vergangenen Woche sein Konzept für ein neues Kampfflugzeug enthüllte und zugleich um internationale Hilfe bat, um das futuristische Tempest-Konzept in die Realität umzusetzen. Das britische Verteidigungsministerium habe lediglich zwei Milliarden Pfund für das Projekt in Aussicht gestellt – nur ein Bruchteil der insgesamt zehn Milliarden, die für den Bau des Flugzeugs benötigt werden.

Alle wollen neuen Tornado bauen

Boeing reagierte als erstes. Man wäre begeistert, wenn das Unternehmen an dem Tempest-Programm teilnehmen dürfte, sagte die Verteidigungschefin Leanne Caret in einem Interview mit Reuters. Airbus sieht sich als europäischer Partner besser aufgestellt. Im April hatte man bereits das Grundsatzabkommen „Future Combat Air System“ (FCAS) mit der französischen Dassault Aviation verkündet, mit der man an der Weiterentwickelung des Eurofighter arbeitet. Bis 2040 sollen demnach die "Eurofighter" der Bundeswehr und die "Rafale"-Maschinen der französischen Luftwaffe ersetzt werden. Noch deutlich lukrativer wäre die Entwicklung eines Nachfolgers des in die Jahre gekommenen Tornado-Kampfjets. Hier würde BAE Systems perfekt passen.

Airbus versuchte bereits im Jahre 2012 mit BAE zu fusionieren. Damals konnten sich die beteiligten Staaten jedoch nicht auf ein gemeinsames Vorgehen in dem 34-Milliarden-Pfund-Deal einigen. Außerdem hatte die Bundesregierung Bedenken, dass Airbus zu stark in die Rüstungsindustrie expandieren würde. Angesichts des Hegemoniestrebens der USA könnte die Fusion diesmal klappen. Noch sind das zwar nur laute Gedankenspiele. Längerfristig kommt Airbus aber um einen weiteren Partner im Militär-Geschäft nicht herum.

Boeing hat in Farnborough die Nase vorn

Bei den Zivilflugzeugen läuft es derweil blendend, wenn auch der große Konkurrent Boeing auf der Airshow in Farnborough in der vergangenen Woche die Nase vorn hatte. Der Hersteller aus Seattle heimste Bestellungen und Absichtserklärungen über 528 Flugzeuge im Wert von 79 Milliarden Dollar (nach Listenpreisen) ein, während Airbus „nur" auf 431 Flugzeuge im Wert von 62 Milliarden Dollar kam. Die US-Bank Citigroup hat Airbus dennoch auf "Buy" hochgestuft und auch das Kursziel von 104 auf 134 Euro angehoben. Die Neueinschätzung erfolge auf die positive Entwicklung bei Produktion, Währungseinflüssen und Preisentwicklung hin. schrieb Analyst Charles Armitage in einer Studie. Da der A320 bis 2024 ausverkauft sei, seien die Preissetzungsmöglichkeiten entsprechend günstig.

Die Airbus-Aktie steht am Montag leicht unter Druck, während die Papiere von BAE Systems zulegen. Am vergangenen Mittwoch hatte der MDAX-Wert bei 109,24 Euro ein neues Allzeithoch markiert, weitere Rekorde sind nur eine Frage der Zeit. Engagierte Anleger geben weiterhin kein Stück aus der Hand. Der Aufwärtstrend seit Herbst 2016 ist weiterhin intakt.