Wird die Airbus-Aktie den Coronavirus-Crash überleben?

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Noch vor zwei Monaten waren viele Aktien überbewertet. Wer hätte gedacht, dass sich dieses Bild in kurzer Zeit so dramatisch ändern könnte. Heute sind viele dieser Aktien (aufgrund des Einbruchs) plötzlich sehr günstig zu haben. Nun werden sicherlich einige Anleger sagen: „Ja, aber diese Krise ist außergewöhnlich und schlimmer als alle vorherigen.“

Dies wiederum werden wir erst hinterher wissen. Spätestens in zwei Jahren könnte ein Großteil der Bevölkerung einmal mit dem Virus in Kontakt gekommen sein und somit Immunität eintreten. Vielleicht gelingt auch tatsächlich die Entdeckung eines Wirkstoffs, um einen schlimmen Krankheitsverlauf zu verhindern.

Anders als in früheren Krisen greifen heute Staat und Zentralbank beherzt ein, um die Wirtschaft zu stützen. Dies sollte ganz gravierende Folgen verhindern. Ist die schlimmste Phase einmal überstanden, sollte es wieder bergauf gehen.

Dennoch stellt sich die Frage, ob Unternehmen wie Airbus (WKN: 938914) den aktuellen Crash überstehen können?

Airbus-Aktie im Sturzflug

Es ist schon erstaunlich, wie schnell der Markt seine Meinung zu einem Weltkonzern wie Airbus ändern kann. Noch im Februar 2020 stand die Aktie bei 139 Euro und der Konzern bei einem Börsenwert von über 108 Mrd. Euro. Nur einen Monat später liegt sie heute über 61 % tiefer und ist nach „Mr. Market“ plötzlich nur noch 42,03 Mrd. Euro wert (19.03.2020). Doch aus welchem Grund?

Es gibt, wie so häufig in diesen Tagen, nur einen Grund: In Folge der Viruseindämmungsversuche hat Airbus seine Produktion in Frankreich und Spanien vorübergehend ausgesetzt, um die Hygienemaßnahmen hochzufahren. Wahrscheinlich ist jedoch ein längerer Produktionsstopp, der eine direkte Folge der weitgehenden Flugverkehrseinstellung ist. Viele Airlines haben ihren Betrieb beinahe komplett ausgesetzt. Ihnen droht ohne Staatshilfe eine Insolvenz.

Dieser Umstand schlägt nun auf Airbus, aber auch auf die amerikanische Boeing (WKN: 850471) zurück. In Toulouse fertigt Airbus den A320, A330, A350 und A380 sowie Cockpits und Flügelmittelkästen für alle Modelle. In Spanien werden Heckteile und das Militärflugzeug A400M gefertigt.

Das Wertpapier ist nun unterbewertet

Es ist durchaus davon auszugehen, dass die Airbus-Aktie kurzfristig noch tiefer fallen kann, da sich die Lage wahrscheinlich zunächst verschlechtert, um sich dann wieder zu bessern. Dies ist jedoch nur eine Vermutung, die durch die aktuelle Bewertung gestützt wird.

War Airbus im Februar 2020 noch deutlich über-, ist sie heute (aus meiner Sicht) schon etwa 23 % unterbewertet. Erst eine 30-%-Sicherheitsmarge weist hingegen (in den meisten Fällen) auf eine klare Unterbewertung hin.

Wie lange kann der Flugzeugbauer noch durchhalten?

Ein Produktionsstillstand ist für einen Konzern wie Airbus aufgrund der ohnehin schon geringen Gewinnmarge und Eigenkapitalquote nicht lange durchzuhalten. Ohne Staatshilfe würde die Insolvenz drohen.

Deshalb haben Airbus-Vertreter bereits in dieser Woche in Berlin vorgesprochen und die Lage geschildert (19.03.2020). Es ist davon auszugehen, dass ein so wichtiger Konzern wie Airbus in jedem Fall und mit allen Mitteln am Leben gehalten wird. Für ihn arbeiten mehr als 80.000 Menschen und seine Produkte sind strategisch wertvoll. Gleiches gilt auch für Boeing. Sie sollten deshalb die Krise überstehen.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

 

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