Airberlin zahlt auch bei Kurz- und Mittelstrecken höhere Entschädigungen

Airberlin bietet angeblich höhere Entschädigungen an

Die angeschlagene Fluggesellschaft Airberlin zahlt ihren Kunden auch auf der Kurz- und Mittelstrecke höhere Entschädigungen für Flugausfälle und Verspätungen als gesetzlich vorgeschrieben. Kunden können statt der finanziellen Ausgleichszahlung, die per EU-Verordnung festgeschrieben ist, höherwertige Fluggutscheine wählen, sagte eine Unternehmenssprecherin dem "Tagesspiegel" (Montagsausgabe). Die Gutscheinwerte lägen 100 bis 150 Euro über dem Wert der vorgesehenen Entschädigung.

Mitte Juni hatte Airberlin bereits mitgeteilt, dass Kunden bei Ausfall oder Verspätung eines Langstreckenflugs einen Gutschein bekommen, dessen Wert über der gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichszahlung liegt. Die Airline händigt den Gutschein aber nur aus, wenn der Passagier kein Fluggastrechte-Portal wie EU-Claim, Flightright oder Fairplane einschaltet. Zur Begründung verweist Airberlin auf die Provision von bis zu 30 Prozent hin, die diese Portale für ihre Tätigkeit berechnen.

Die Airline steckt seit 2008 in den roten Zahlen, unterbrochen nur von einem kleinen Plus im Jahr 2012. Sie versichert, dass Kunden sich keine Sorgen um Ticket oder Flüge machen müssen. Eine Insolvenz sei kein Thema, Airberlin verfüge über ausreichend liquide Mittel. Eine Staatsbürgschaft will die Airline auch nicht mehr beantragen, wie sie vergangene Woche mitgeteilt hatte.

Die Lufthansa will Airberlin nach den Worten von Vorstandschef Carsten Spohr weiter unterstützen. Er könne sich vorstellen, noch weitere Airberlin-Maschinen samt Crew zu leasen, sagte Spohr der "Bild am Sonntag". Dabei gebe es "keine Grenze nach oben".

Übernehmen will Lufthansa den Konkurrenten aber nicht. Als Gründe nannte Spohr die enorme Schuldenlast bei Airberlin, das hohe Kostenniveau und kartellrechtliche Fragen.