Airbaghersteller Takata meldet Insolvenz an - Geschäft läuft weiter

Firmenchef Takada und führende Manager entschuldigen sich

Drei Jahre nach dem Bekanntwerden des Skandals um explodierende Airbags hat der japanische Hersteller Takata Insolvenz angemeldet - und wird von der Konkurrenz aufgekauft. Takata geht für umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro an den chinesisch kontrollierten US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS), wie beide Unternehmen am Montag mitteilten. Die explodierenden Airbags werden mit 16 Todesfällen weltweit in Verbindung gebracht; fast 100 Millionen Autos mussten deswegen zurückgerufen werden.

Takata reichte Insolvenzanträge in Japan und in den USA ein. Für Europa sei dieser Schritt nicht geplant, teilte das Unternehmen mit. In der Insolvenz sollen der Verkauf an KSS abgewickelt und die Folgen des Airbag-Skandals "bewältigt" werden.

Das Geschäft und die Belieferung der Kunden würden ohne Unterbrechung fortgeführt. Auch die Ersatzteile für zurückgerufene Autos werde Takata weiterhin herstellen, versicherte der Konzern. Die Luftkissen des Herstellers konnten in Sekundenbruchteilen platzen und durch heiße Metallteile Fahrer und Beifahrer verletzen oder töten.

KSS, im Besitz des chinesischen Konzerns Ningbo Joyson Electronic, werde "nahezu" alle Mitarbeiter von Takata weltweit "zu im Wesentlichen vergleichbaren Beschäftigungsverhältnissen" übernehmen, erklärte der Konzern. Mit der Übernahme entstehe der weltweit führende Anbieter von Sicherheitssystemen für Automobile mit rund 60.000 Beschäftigten.

Bei Takata arbeiten derzeit rund 46.000 Menschen in 56 Werken in 20 Ländern. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 5,3 Milliarden Euro - 90 Prozent davon machte Takata außerhalb Japans.

Der Handel mit Takata-Aktien an der Börse von Tokio wurde ausgesetzt. Ab 27. Juli wird das Traditionsunternehmen, das 1933 als Textilfirma begann, dort nicht mehr gehandelt. Firmenchef Shigehisa Takada, Enkel des Gründers, kündigte seinen Rücktritt an. Über kurz oder lang dürfte der Name Takata nun verschwinden.

Das Unternehmen hatte die Probleme mit den Airbags lange unter den Teppich gekehrt. Honda hatte schon ab 2008 Autos wegen defekter Luftkissen in die Werkstätten gerufen. Doch erst als die US-Verkehrssicherheitsbehörde nach einer Reihe von Unfällen Rückrufe anordnete, wurde das Ausmaß des Skandals deutlich.

In den USA einigte sich Takata Mitte Januar mit dem Justizministerium auf einen Vergleich mit dem Schuldeingeständnis des Unternehmens, die Airbag-Probleme zwischen den Jahren 2000 und 2015 vertuscht zu haben. Außerdem zahlt Takata eine Milliarde Dollar Strafe in den USA.