Ai Weiwei und Til Schweiger wurden aus Film geschnitten: Der chinesische Künstler beklagt Zensur

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino
Der Beitrag des chinesischen Dissidenten und Künstlers Ai Weiwei mit Til Schweiger wurde aus dem Film “Berlin, I love you” entfernt. (Bilder: Getty Images)

Der Beitrag des chinesischen Künstlers Ai Weiwei für den Episodenfilm “Berlin, I love you” wurde aus dem fertigen Film geschnitten. Die Produzenten sahen sich aufgrund des Einflusses Chinas gezwungen, den kontroversen Künstler aus dem Projekt zu entfernen. Das behauptet jedenfalls Ai Weiwei selbst gegenüber dem englischsprachigen Auslandsrundfunk “Deutsche Welle”.

Zwei der Produzenten von “Berlin, I love you”, Claus Clausen und Edda Reiser, bestätigen Ai Weiweis Darstellung. Gegenüber der “Los Angeles Times” machten sie klar, dass sie Ai Weiweis Beitrag besonders geliebt hätten, doch letztlich sei ihnen keine andere Wahl geblieben, als das Segment aus dem Film zu schneiden. Clausen sagte, sie hätten Druck von “vielen Seiten” gespürt, den Beitrag zu entfernen. Seine Kollegin Reiser fügte hinzu: “Wir haben die Macht Chinas unterschätzt.”

Ai Weiwei während Dreharbeiten unter Hausarrest

“Berlin, I love you” ist der dritte Teil einer Filmreihe, in der mehrere Regisseure filmische Liebeserklärungen an eine Stadt abgeben. Zuvor wurden schon Paris und New York gewürdigt. Ai Weiwei hatte seinen Beitrag für den Berlin-Film schon 2015 gedreht. Er stand damals noch unter Hausarrest und durfte China nicht verlassen, sodass er seine Regie-Anweisungen über FaceTime sendete. Erst kurz nach den Dreharbeiten bekam er seinen Pass zurück und reiste nach Deutschland. Seine Frau und sein Sohn lebten schon in Berlin, sodass die Beziehung zu ihnen im Mittelpunkt des Films stand. Der deutsche Schauspieler Til Schweiger übernahm ebenfalls eine Rolle in dem Beitrag und spielt darin einen Zauberer, wie “focus.de” berichtet.

Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist für seine kritische Haltung gegen sein Heimatland bekannt. Er wohnt seit 2015 mit seiner Familie in Berlin. (Bild: Getty Images)

Wollte die Berlinale den Film mit Ai Weiwei nicht zeigen?

Alle drei bestätigen auch, dass der Film bei der Berlinale eingereicht worden sei. Auch hier hätte man deutlich gemacht, “dass der Film niemals gezeigt werden könne, wenn Ai Weiwei darin vorkommt”, wie der Künstler gegenüber der “Deutschen Welle” preisgab. Diesen Vorwurf weisen die Macher des Festivals zurück: “Die Mitarbeit von Ai Weiwei wäre niemals ein Kriterium, um einen Film zu akzeptieren oder nicht zu akzeptieren,” sagte ein Sprecher auf Nachfrage des Auslandrundfunks. “Berlin, I love you” wurde letztlich nicht akzeptiert und war deshalb nicht auf der Berlinale zu sehen.