AHK-Chef in London: Briten müssen mit weiteren Engpässen rechnen

·Lesedauer: 1 Min.

LONDON (dpa-AFX) - Britische Verbraucher müssen sich nach Ansicht des Chefs der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer (AHK), Ulrich Hoppe, auf gelegentliche weitere Engpässe einstellen. "Es wird holpriger werden. Man wird gewisse Abstriche in der Servicequalität und zeitlichen Zuverlässigkeit machen. Das wird man sicherlich dann spüren", sagte Hoppe der Deutschen Presse-Agentur zur Weigerung der Regierung in London, den akuten Fachkräftemangel im Land mit längerfristigen Lockerungen bei den seit dem Brexit verschärften Einwanderungsregeln zu bekämpfen.

Die Ankündigung von Premierminister Boris Johnson, durch Engpässe wie derzeit an Tankstellen und in Supermärkten letztlich eine Erhöhung der Produktivität und des Lohnniveaus zu erreichen, hält Hoppe nicht für plausibel. "Ich sehe das nicht aufgehen am Ende", sagte er.

Johnson hatte bei seiner Parteitagsrede in dieser Woche einen Wandel des britischen Wirtschaftsmodells verkündet. Statt sich auf günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland zu stützen, sollten Unternehmen im Land bessere Gehälter zahlen und so mehr Briten in Lohn und Brot bringen, so die Logik Johnsons. Hoppe sagte dazu: "Das wird im großen Rahmen kurzfristig nicht funktionieren und birgt eher Inflationsgefahren."

Die Produktivität der britischen Wirtschaft zu erhöhen, sei schon seit vielen Jahrzehnten Ziel verschiedener Regierungen gewesen, sagte Hoppe. Dafür brauche es aber einen langfristigen Plan zur Reform der Berufsausbildungen. Und das sei eine Generationenaufgabe. "Das wird nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre aufgehen." Auch die Idee, dass arbeitssuchende Briten die Lücken füllen könnten, die von nach Osteuropa zurückgekehrten Arbeitnehmern im Niedriglohnsektor hinterlassen wurden, hält der AHK-Chef aufgrund der niedrigen Arbeitslosigkeit für nicht tragfähig.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.