Agrarhändler Agravis befürchtet „dramatischen Ernteausfall“

Das heiße und trockene Wetter macht den Bauern zu schaffen. Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler befürchtet Ernterückgänge von bis zu 35 Prozent. Dabei geht es nicht nur um Getreide, sondern auch um Tierfutter.

Andreas Rickmers, Vorstandschef von Deutschlands zweitgrößtem Agrarhändler Agravis, warnt vor einem „teils dramatischen Ernteausfall bei Getreide und Ölsaaten“. Der Ertragsrückgang liege wegen des heißen und trockenen Wetters im Vergleich zum Vorjahr bei 15 bis 35 Prozent. „In einigen Regionen, vor allem im Osten der Republik, verzeichnen wir bis zu 80 Prozent Ernteausfall oder der Landwirt verzichtet komplett auf die nicht lohnende Ernte“, sagte Rickmers der WirtschaftsWoche.

Die Ertragsausfälle machten „die finanzielle Liquidität in der Landwirtschaft nach unserer Einschätzung zum beherrschenden Thema dieser Saison“. Denn die Dürre trifft neben dem Getreideanbau auch die Tierfutterproduktion. Da auf Wiesen teilweise die zweite und dritte Ernte von Gras ausgefallen sei, wird teilweise auch das Tierfutter knapp. Mais leide ebenfalls unter Wassermangel und die Zuckerrübenernte könnte schwach ausfallen.

Viele Landwirte würden sich daher die Frage stellen, wie die Viehbestände ausreichend versorgt werden können, so Rickmers. Dass Betriebe Futter zukaufen müssten, setze sie zusätzlich unter Druck. Auch in anderen europäischen Staaten wie Dänemark, Schweden, Polen und dem Baltikum dürften die Ernteerwartungen nicht erfüllt werden, erwartet der Agravis-Chef.


Das Unternehmen erzielte mit 6500 Mitarbeitern zuletzt einen Umsatz von 6,4 Milliarden Euro. Den größten Teil der Umsätze macht Agravis dabei in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg und damit in Regionen, die besonders stark von der Trockenheit betroffen sind. Rickmers hofft, die absehbaren Umsatzeinbußen zumindest in Teilen durch andere Geschäftsbereiche kompensieren zu können.

Für viele Bauern hätten die Ernteausfälle in Teilen der Bundesrepublik dagegen ein „existenzbedrohendes Ausmaß“ erreicht, warnt bereits Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied und forderte erneut finanzielle Hilfen für die Bauern. Angesichts der Lage wollen Vertreter von Bund und Ländern Ende des Monats zusammenkommen, um „erste Ausmaße festzustellen“. Über Hilfen werde aber erst im August entschieden.

Für Verbraucher dürfte es kurzfristig keine Preissprünge geben. Die Preise für Lebensmittel hingen nur zu einem geringen Teil von den Rohstoffpreisen ab. "Abgesehen davon ist im Moment ohnehin genug Getreide auf dem Markt", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner jüngst der „Bild“-Zeitung. Allerdings verweisen Experten darauf, dass die Dürre Auswirkungen auf die Preise von Milchprodukten und Butter haben könnte. Sie gehen durch die Trockenheit von einem Rückgang der Milchproduktion sowie des Fettgehalts der Milch aus, was mittelfristig wieder zu höheren Preisen führen könnte.

Sie lesen eine Exklusivmeldung der WirtschaftsWoche. Mit dem WiWo-Digitalpass erhalten Sie die Ausgabe bereits am Donnerstagabend in der App oder als eMagazin. Alle Abo-Varianten finden Sie auf unserer Info-Seite.