Tod eines fragwürdigen Tennis-Patriarchen

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Tod eines fragwürdigen Tennis-Patriarchen
Tod eines fragwürdigen Tennis-Patriarchen
Tod eines fragwürdigen Tennis-Patriarchen

Er war die prägende Figur einer Tennis-Weltkarriere - nicht nur im positiven Sinne: Nun trauert Legende Andre Agassi um seinen Vater und ersten Trainer Mike.

Das als Emmanuel Agassi geborene Familienoberhaupt ist bereits am vergangenen Freitag im Alter von 90 Jahren in einem Hospiz in Las Vegas gestorben. Agassi bestätigte der Zeitung Las Vegas Review Journal ohne weiteren Kommentar.

Mike Agassi: Tennis-Vater mit umstrittenen Methoden

Die Beziehung des 51-Jährigen zu seinem Vater und dessen „cholerischer Persönlichkeit“ war stets schwierig. In seiner 2009 erschienenen Biografie „Open“ erzählt der Ehemann von Steffi Graf von der Leidensgeschichte unter seinem Vater. So musste er unzählige Male gegen seinen Willen trainieren, wurde angeschrien und geschlagen. „Es gab nie Lob, nur Kritik“, erzählte Agassi einst in einem Spiegel-Interview. (So rettete Steffi Graf Andre Agassi nach seinem Absturz)

Als gebürtiger Iraner hatte Emmanuel Agassi in den 50er-Jahren zweimal als Boxer an Olympia teilgenommen, scheiterte jedoch früh. Seine extreme Leistungskultur ließ er auch seine Kinder spüren. „Ich wollte nicht spielen, aber ich musste. Es war das falsche Leben. Es war nicht meins“, erklärte der frühere Weltranglistenerste einst.

Andre war das jüngste der vier Kinder aus Mike Agassis Ehe mit Frau Elizabeth (geboren Dudley): Auch die älteren Kinder Rita, Philip und Tamara hatte Mike zu Profis formen wollen. Andre beschrieb seine älteren Geschwister als „Versuchskaninchen“, an denen der Papa die Methoden ausprobiert hätte, die er mit ihm zur Vollendung brachte.

Andre Agassi - ab dem 13. Lebensjahr von Star-Coach Nick Bolletieri trainiert - entwickelte sich zu einem der besten Tennisspieler aller Zeiten, gewann acht Grand-Slam-Titel, doch der Preis war hoch.

Agassi mit heimlichem Tennis-Hass

„Ich habe zeitlebens einen heimlichen, dunklen Hass auf das Tennis gepflegt“, gestand er zudem in einem Interview mit der FAZ.

Ganz im Gegensatz zu seiner Ehefrau Steffi Graf. Deren 2013 verstorbener Vater Peter Graf war eine ähnlich patriarchale Persönlichkeit wie Mike Agassi, allerdings wollte die Deutsche auch immer freiwillig spielen. “Sie musste weder ihre Familie noch ihre Kindheit aufgeben. Im Gegensatz zu mir“, sagte Agassi.

Kurios: Nach Agassis Angaben war eine Begegnung seines Vaters mit Peter Graf in einem heftigen Streit und einer Beinahe-Prügelei geendet - Thema: welches der beiden Kinder die bessere Rückhand-Technik gehabt hätte.

Der Groll gegenüber seinem Vater hat nach dem Karriereende des heute 51-Jährigen übrigens abgenommen, ein inniges Verhältnis entstand aber nicht.

Auch das Buch seines Sohnes wollte der Verstorbene nie lesen.

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