AfD vor SPD: Wie zuverlässig sind die Meinungsforscher von INSA?


Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA liegt die AfD erstmals vor der SPD. Jedoch gibt es vielerorts Zweifel daran, wie akkurat und unabhängig das Institut tatsächlich arbeitet.

Rund 16 Prozent der Befragten würden bei einer Bundestagswahl für die rechtspopulistische „Alternative für Deutschland“ stimmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des „Instituts für neue soziale Antworten“ (INSA) im Auftrag der „Bild“ vom 19. Februar. Damit überholt die umstrittene Rechtspartei die SPD (15,5 Prozent) und liegt nach der CDU/CSU (32 Prozent) auf Platz zwei der Wählergunst. Während ein deutlicher Stimmenverlust für die Sozialdemokraten und ein Stimmenzuwachs für die AfD prinzipiell nicht unrealistisch erscheinen, regen sich jedoch Zweifel an der Validität der Umfragen.

Etwas anders sieht die aktuellen Partei-Ergebnisse nämlich zeitgleich das Forsa-Institut. Beim rtl/n-tv-„Trendbarometer“ lag die SPD mit einem Minus von einem Prozent und einem Prozentsatz von 16 immer noch vor der AfD, die bei 13 Prozent verharrt. Das ist zwar das schlechteste Umfrageergebnis, das Forsa jemals für die Sozialdemokraten erstellt hat – es zeigt die AfD aber immer noch hinter den beiden Großparteien.

Die Tendenz, dass INSA die AfD-Werte besonders hoch ansetzt, ist bereits länger zu beobachten. Bereits 2015, kurz nach Beginn der Zuwanderung durch Flüchtlinge, sah das Institut die AfD im zweistelligen Bereich.

Viele mutmaßen, dass das einen bestimmten Grund hat: Schon seit Jahren berichten Medien über eine unlautere Verbindung des Meinungsforschungsinstituts zur umstrittenen Rechtspartei. In einem Artikel vom Dezember 2015 namens „Die merkwürdigen Geschäfte von INSA-Chef Binkert“ berichtete der „Spiegel“ von zahlreichen geschäftlichen Verbindungen zwischen Hermann Binkert und der Partei. Binkert, der 2014 nach 30 Jahren Mitgliedschaft aus der CDU austrat, gab seit diesem Zeitpunkt zwar an, politisch unabhängig zu sein – daran lassen zahlreiche Sachverhalte allerdings zweifeln.

Geht es nach der INSA-Umfrage, dürfen sich Alice Weidel und Alexander Gauland über Platz zwei in der Wählergunst freuen. (Bild: AP Photo/Markus Schreiber)

„Spiegel“-Recherchen zufolge arbeitete Binkert als Mitgesellschafter der „DO –Dienstleistungsoffice denken&organisieren“ der AfD im Thüringer Landtag zu. Wie er dem Magazin selbst bestätigte, war er zu jenem Zeitpunkt mit 50 Prozent am Unternehmen „DO“ beteiligt.

Im Oktober 2014 erstellte er der AfD ein schriftliches Angebot über „Ausarbeitung von Redeentwürfen“ über 1.485,50 Euro, das AfD-Fraktionsgeschäftsführer Lutz Klaus am Folgetag schriftlich bestätigte. Laut „Spiegel“-Recherche war das jedoch nicht die einzige Dienstleistung dieser Art. Der „Deutschlandfunk“ berichtet von einem monatlichen Beratungshonorar von 7.000 Euro.

Auch der ehemalige AfD-Abgeordnete Oskar Helmerich bestätigte eine Zusammenarbeit: „Ich habe festgestellt, dass der Herr Binkert schon AfD-nah war. In der Fraktionssitzung wurde ja auch von Herrn Höcke gesagt, er kennt den Herrn Binkert schon längere Zeit, es gibt auch eine freundschaftliche Verbindung, und er will auf Herrn Binkert nicht verzichten“, zitiert ihn der „Deutschlandfunk“. An eine Beratung wollte sich Binkert damals aber nicht erinnern: „Nein! Wir beraten im Blick auf unsere Umfragen, aber nicht darüber hinaus.“

Dass der INSA-Chef der AfD gegenüber positiv eingestellt ist, war auch in einem Artikel zu beobachten, den er 2014 als Gastautor für die „Huffington Post“ verfasste: „Die Alternative für Deutschland wird bundesweit ein Stück weit das, was die Partei Die Linke im Osten ist: Eine Volkspartei“, schrieb Binkert in dem mit „Volkspartei AfD?“ überschriebenen Text. Eine wohlgesonnene Diagnose.

SPD-Vize Natascha Kohnen rief indes im Gespräch mit der „Huffington Post“ zur Besonnenheit auf: „Es macht keinen Sinn, sich in irgendeiner Form verrückt zu machen“, so Kohnen zu den aktuellen demoskopischen Ergebnissen.