AfD-Streit wegen Facebook-Kommentar über Querschnittsgelähmte

Die AfD in Schleswig-Holstein streitet über den Facebook-Kommentar eines ihrer Mitglieder. (Bild: dpa)

Der Kommentar eines AfD-Politikers zu einer querschnittsgelähmten Facebook-Nutzerin sorgt im schleswig-holsteinischen Landesverband derzeit für Ärger. Ein Mitglied des Landesvorstands hatte in einer Replik auf die Frau deren Behinderung hervorgehoben. Ein AfD-Kollege kritisierte: „Noch nie habe ich mich so fremdgeschämt.“

Ausgangspunkt war ein Facebook-Post der AfD Schleswig-Holstein mit einer Stellungnahme der Landesvorsitzenden Doris von Sayn-Wittgenstein. Die beklagte nach ihrer gescheiterten Kandidatur für den AfD-Bundesvorstand vermeintliche Angriffe durch Medien und aus den eigenen Reihen. Unter dem Eintrag hatte eine Facebook-Nutzerin einen kritischen Kommentar zu der Politikerin und dem Landesverband hinterlassen. Darauf antwortete Norman Timmermann, Beisitzer und damit Mitglied im AfD-Landesvorstand: „Sagt eine querschnittsgelähmte Wählerin der Linken, die sich noch nie unser Wahlprogramm wirklich durchgelesen hat (Zwinker-Smiley) In welchem Programmpunkt fühlen Sie sich denn vernachlässigt?“

Der kritische Originalpost der Nutzerin sowie Timmermanns Replik wurden zwischenzeitlich gelöscht. Unter anderem die Facebook-Seite „Gegen die Alternative für Deutschland“ veröffentlichte jedoch einen Screenshot. „Jemand, der ‚querschnittsgelähmt’ anscheinend noch als zusätzlich disqualifizierendes Kriterium neben ‚Wählerin der Linken’ betrachtet, sollte mal ganz dringend das eigene Wahlprogramm um die Ohren gehauen bekommen“, hieß im Top-Kommentar zu dem Eintrag. „Äh, ich hab auch ne Behinderung und hab das Programm durchgelesen. Genau wie gebrochene Arme nicht die Gehirnkapazität beeinflussen, ist es auch bei Querschnittsgelähmten so“, schrieb eine andere Nutzerin.

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Ungewöhnlich deutliche Kritik handelte sich Timmermanns von seinem schleswig-holsteinischem Parteifreund Christian Waldheim ein. Der Bewerber um den Posten des Oberbürgermeisters von Norderstedt postete auf seiner Facebook-Seite eine Entschuldigung an die von Timmermann angegriffene Frau. „Ich bin vollkommen fassungslos über eine derartige Äußerung eines Mitglieds des Landesvorstands. Das Verunglimpfen und verächtlich machen von behinderten Menschen im Zusammenhang mit politischen Äußerungen ist ein absolutes No-Go“, schrieb Waldheim. „Beleidigungen und Diffamierungen“ würden üblicherweise nicht zu Methoden der politischen Auseinandersetzung in seiner Partei gehören.

Der derart Gescholtene wollte keinen Fehler zugeben. In einer Antwort auf einen weiteren Kritiker auf Facebook – den er ebenfalls als „Wähler der Linken“ zu identifizieren meinte – schrieb Timmermann: „Was ist an querschnittsgelähmte denn verwerflich? Nichts! Es beschreibt eine Tatsache.“

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