AfD steuert öffentliche Proteste gegen Merkel

Die Wahlkampfveranstaltungen der Regierungsparteien werden von zahlreichen Demonstranten besucht. (Bild: Getty Images)

Bei fast jedem öffentlichen Auftritt von Angela Merkel versammeln sich wütende Demonstranten, um ihrem Unmut Luft zu machen. Was nach spontanen Protesten aussieht, wird jedoch häufig von der AfD organisiert.

Buhrufe, “Merkel muss weg”-Transparente, Beleidigungen: Überall, wo Angela Merkel derzeit im Rahmen ihrer Wahlkampfkampagne auftaucht, erwarten sie bereits zahlreiche Demonstranten. Dass es sich dabei jedoch nicht um spontane Versammlungen wütender Bürger handelt, bestätigte nun ein AfD-Funktionär gegenüber “Die Zeit”. Im Interview mit der Wochenzeitung verriet René Springer, der persönliche Referent und Wahlkampfkoordinator von AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland, dass oft die AfD hinter der Organisation solcher Proteste stecke.

“Bei der AfD gehört es zum Pflichtprogramm, zu Veranstaltungen mit Regierungspolitikern zu fahren”, erklärt Springer. Demnach würden Kreisverbandsmitglieder der AfD offiziell Gegendemos zu Merkels Wahlkampfauftritten anmelden, zu denen der Landesverband dann via Mail “herzliche Einladungen” verschicke. So ist garantiert, dass zu jedem öffentlichen Auftritt der Kanzlerin eine Gruppe wütender Protestler reist.

Angela Merkel reist aktuell im Rahmen ihrer Wahlkampfkampagne durch Deutschland. (Bild: AP Photo)

Der rechtspopulistischen Partei gehe es dabei nicht nur darum, Ablehnung gegenüber der Kanzlerin zu demonstrieren: “Die Parteifreunde sagen: Wenn wir schon in den Medien nicht vorkommen, dann stellen wir uns hin und protestieren lautstark – so wird man schon über uns berichten”, so Springer.

Um sicherzugehen, dass Merkel bei öffentlichen Auftritten von wütenden Regierungsgegnern empfangen wird, nutzt die Partei auch andere Mittel: Der nordrhein-westfälische AfD-Politiker Thomas Matzke etwa macht regelmäßig unter dem Hashtag #MerkelWegpfeifen via Twitter auf aktuelle Wahlkampfveranstaltungen der Kanzlerin aufmerksam. Einige Parteimitglieder wie Sachsen-Anhalts Landtagsabgeordneter Hans-Thomas Tillschneider oder sein Fraktionskollege Hannes Loth beteiligen sich laut “Die Zeit” sogar selbst an den lautstarken Protesten.

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